Full text : Lexikon der Handelsgeographie

378  Ostindien  (Industrie,  Handel,  Verkehr).

industrie,  welche  ihren  Weg  aus  England
nach  O.  nehmen,  sind  namentlich  aufzuführen: ­
  Dampfmaschinen  1879  im  Wert
von  15,416,200  Mk.,  andre  Maschinen  im
Wert  von  15,515,280  Mk.  Die  Waffenschmiede ­
  liefern  noch  immer  sehr  schone
Ware,  doch  ist  ihr  Gewerbe  zurückgeganzen,
  seitdem  das  Waffentragen  im
eigentlichen  Indien  verboten  ist;  die  Anfertigung ­
  von  Handwerkszeug  ist  aber  die
denkbar  einfachste.
Von  andcrnJndustrien  sind  nur  wenige ­
  nennenswert:  die  Lederindustrie,
die  in  Bengalen,  Hindostán,  Pandschab,
Madras  ihreHauptsitzc  hat,  und  dieTöPserei,
  welche  sehr  allgemein  verbreitet  ist;
doch  bezog  O.  1879  airs  England  für
2,959,160Mk.TöPferwaren.  GlaSfabrikation
  wird  sehr  wenig  betrieben,  nur  im
bunten  Glasschmuck  hat  es  Centralindieir
weit  gebracht.  Die  Werte  der  Importe  waren ­
  1879:  aus  England  für  1,991,320
Mk.,  aus  englischen  Kolonien  und  dem
Ausland  für  930,440  Mk.  Geistige  Getränke ­
  aus  Reis,  Zucker,  Datteln  rc.  sind
eine  Specialität  Indiens;  von  diesen  Fabrikaten ­
  wird  eine  Steiler  erhoben.  Der
inländische  Arrak  hat  wohlverdienten  Nils.
Im  westlichen  Himalaya  haben  Europäer
in  jüngster  Zeit  Bierbrauereien  angelegt;
auch  wird  dort  für  diese  Hopfeir  gebaut.
England  importierte  aber  1879  :  80,270
Fässer  im  Wert  von  5,542,400  Mk.
Handel.
Während  1813  der  auswärtige  Handel
auf  140  Mill.  Mk.  Wert  geschätzt  wurde
und  1834  ans  290  Mill.  Mk.  gestiegeir
war,  brachte  ihn  der  russisch-englische  Krieg
infolge  der  Nachfrage  nach  Hanf,  Jute  rc.
auf  1115  Mill.  Mk.,  welcher  Betrag  sich
durch  den  amerikanischen  Bürgerkrieg  und
die  durch  ihn  hervorgerufene  Baumwollkultur
  in  Indien  auf  1495  Mill.  Mk.
steigerte.  Nach  1866—67,  wo  der  Handclöwert
  die  Höhe  von  2500  Mill.  Mk.
zeigte,  stellte  sich  ein  Rückgang  ein;  in  den
beiden  letzten  vorliegenden  Jahren  waren
die  Werte  des  Warenhandelö  folgende  (in
Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1878—  79:  731,6  1217,8
1879-  80  :  794,8  1343,6

An  dem  Außenhandel  Indiens  partizipierten ­
  Großbritannien  mit  53,8  Proz.,
China  mit  14,  Frankreich  mit  5,  Italien
mit  2,5,  Vereinigte  Staaten  mit  3,2,  Österreich ­
  mit  1,3  Proz.  rc.  Die  indischen  Handelsplätze ­
  hatten  vor  der  Vollendung  deö
Suezkanals,  durch  welchen  1879—80  ca.
78'At  Proz.  der  Waren  und  sämtliches
Edelmetall  in  1067  Schiffen  passierten,
eine  andre  Stellung  zueinander;  Kalkutta
übertraf  Bombay  um  über  100  Mill.  Mk.
an  Umsatz.  Jetzt  kommen  vom  Außenhandel ­
  auf  Kalkutta  42,9  Proz.,  Bombay
38,2,  Madras  5.  Rangun  5,  Karatschi  1,8
Proz.  Auf  den  Landhandel  mit  Afghanistan, ­
  Ccntralasien  und  dem  innern  Asien
kommen  kaum  2Proz.  Früher  wurden  die
Sendungen  indischer  Landesprodukte  fast
ausschließlich  durch  Silbersendungen  beglichen; ­
  in  letzter  Zeit  ist  die  Saldierung
inimmergrößermMaß  durch  Regierungswechsel ­
  (Council  Bills)  und  Gegenforderungen ­
  Englands  aus  Anlehen,  Vorschüssen ­
  rc.  geschehen.  Die  Bezahlung
durch  India  Council  Bills  betrug  1865—
1866:  140  9Rf.,  1872-73:  278,«
Mill.  Mk.  und  1877—78:202,«Mill.  Mk.
Die  Einfuhr  von  Edelmetallen  sank  inzwischen ­
  von  487,8  Mill.Mk.  1865—66  bis
auf  62  Mill.Mk.  1875—76,  sie  stieg  nur
infolge  der  Hungersnot  und  der  dadurch
hervorgerufenen  Slibventionen  der  englischen ­
  Regierung  1877—78  wieder  auf
202.«  Mill.  Mk.  und  betrug  1879  —80:
233,i  Mill.  Mk.  bei  einer  Ausfuhr  von  38,«
Mill.  Mk.  Die  Abnahmen  der  Silbersendungen
  sind  in  der  zunehmenden  Vorliebe ­
  der  Einwohner  für  Gold  zu  suchen.
Verkehrswesen.
Als  Wasserstraßen  sind  die  indischen
Flüsse  meist  von  geringem  Werte;  die
bedeutendsten  sind  der  Ganges  mit  dem
Brahmaputra  und  der  Indus.  Am  regelmäßigsten ­
  wird  der  Brahmaputra  von
Passagier-  und  Frachtdampfern  befahren.
Großer»  Einfluß  auf  den  Frachtverkehr  haben ­
  die  Bewässerungskanäle,  deren  Hauptzuleitungsgräben ­
  zugleich  der  Schiffahrt
dienen.  Auf  der  Wasserstraße  des  Ganges
verkehren  auf  der  Fahrt  nach  und  von
dem  Oberland  täglich  durchschnittlich  100
Schiffe  mit  einer  Ladung  von25—40Ctr.
            
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