Russisches Reich (Ackerbau: Getreide).
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den einheimischen Bedarf hinausgehenden
Getreidebau, dann auch durch die Kultur
von Flachs, Hanf, Zuckerrüben, die mit
dein Getreide- und Kartoffelbau verknüpfte
Brennerei, den Anbau von Tabak re.
1) Der Getreidebau ist am bedeu
tendsten im südlichen Teil, im Gebiet der
»schwarzen Erde«, wo vornehmlich Bess-
arabien Getreide weit über seinen eigncil
Bedarf hinaus produziert. Das Verhält
nis dieses Gebiets zu dem übrigen Ruß
land illustriert folgende Tabelle:
Gebiete
Gebiet der
Schwarze» Erde
Finnlaird und
Rvrdrußland. .
Polnische u. bal
tische Provinzen
Einw.
in Tau
senden
39546
27476
7970
Reinertrag
Mill.
Hektol.
304,v
98,u
42,9
Für ein
Korn
4,
4,51
Zusaiilmen: 74992 445,8 3,9
Gegen diese Produktion des europäischeil
Rußland tritt die der andern Gebiets
teile völlig zurück, denn es cntfalleir auf:
Europäisches Rußland . . 434,i Mill. .Hektol.
Kankasien 30,i - -
Sibirien und Centralasien . 22,9 - -
Dem Weizenbau im südlichen Sibirien
stehen nicht klimatische Hindernisse, wohl
aber die bisher außerordentlich schwierigen
Transportverhältnisse entgegen. Sibiri
scher Weizen hat indeö schon alls dem Ob
und dem Seeweg feinen Weg nach Europa
gefunden. Wie stark die Zunahme des
Getreidebaus gewesen ist, beweist die Stei
gerung des Ernteertrags von 525 Mill. Id
in 1845 auf 640 Mill, hl in 1870 und
682 Mill, hl i» 1878.
Die bestellte Fläche und der Ertrag der
einzeltlen Getrerdearteu werden für 1877
offiziell berechnet in Millionen:
Ackerfläche Ertrag
Hektar Hcktvl.
Roggeil .... 28.9 226,7
Hafer 13,2 178,a
Weizen .... 10,i 89,9
demnächst Gerste und Buchweizen mit
Arealeil von 5,6, resp. 4,6 Mill, lin und
Erträgen von 44,6, resp. 29,8 Mill. hl.
Der Wert der gesamten Ernte wurde auf
5400 Mill. Mk. berechnet. Bon der Höhe
des Ernteertrags hängt heute wesentlich
die wirtschaftlicheLage desLandes ab, denn
Getreide gewinnt als Exportartikel von
Jahr zu Jahr an Bedeutung. Im Durch!
schnitt der Jahre 1810—13 betrug die
Ausfuhr erst 3,6 Mill, hl, aber 1814—43
schon 4,6 Mill, uild 1844—53:11,6 Mill,
hl. Voir da ist sic stetig gestiegell und er
reichte 1878 ihre Höhe mit 88,6 Mill. hl.
1879 betrug sie nur 83,i Mill, hl, und
1880 ist sie infolge der Mißernte in ben
südlichen Distrikten eine sehr schwache ge-
wesen. Ja, Amerikaner habeil es sogar
versucht, Getreide in die Häfen des Schwar
zen Meers unb der Ostsee zu führen. Die
Auöfllhr von 1879 zeigte die folgenden
Hauptposten:
Weizen 29 Mill. Hektol. | Hafer 16 Mill. Hektol.
Roggen 25 - - I Gerste 6 - -
Welchen Gewinn dieser Handel dem Land
bringt, ist daraus ersichtlich, daß der Gc-
samNvert der Alisfuhr aller Cerealien
(außer obigen: Mais, Erbsen, Mehl re.)
1865 erst 197,4 Mill. Mk. betrug, bis 1876
auf 655,4 Mill. Mk. stieg und 1878 den
Wert von 1223,6Mill. Alk. erreichte. Aller
dings wird der noch ilicht berechnete Wert
der Ausfuhr von 1879 weit geringer sein,
der für 1880 seinen Vorgängern aber ge
waltig nachstehen. Von beut 1879 ausge
führten Getreide sind 69 Mill, hl auf dem
Seeweg und nur 12,5 Mill., also nicht ein
Fünftel, mit der Eisenbahn, beziehungs
weise auf den Flüssen Niemen und Weich
sel verfrachtet worden. Der Menge des
ausgeführten Getreides nach rangieren die
russischen Seehäfen wie folgt (in Millio
nen Hektoliter):
Petersburg-Krow
stadi .... 16,8
Odessa .... 14,s
Riga 8,9
Nikolajew ... 6,5
Reval. .
Taganrog
Rostow .
Sebastopol
Archangel
4.8
2.9
2,9
1,3
0,6
Deil ersten Nang, welchen Odessa bisher
unter deil Getreide ausführenden Häfen
eingenommen hat, fangen ihm jetzt die Ost
seehäfen durch die Volleildung neuer Schie
nenwege an streitig zu machen; indessen
eiltfallen noch immer 1879 auf die fünf
Pontnshäfen: Odessa, Nikolajew, Seba-