Full text: Lexikon der Handelsgeographie

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Russisches Reich (Thee, Kaffee: Viehzucht). 
305,2ir — 436 Mk. pro 100 kg. Über 
die'^europäische Grenze wurden 1877: 
6,126,450 kg, Akt 1878:12,152,777 kg 
importiert, dagegen über die asiatische 
1877: 10,953,862 kg imb 1878: 
13;237,736 kg. Der Import über die 
letzte Strecke ist also noch immer der stär 
kere, die Einfuhr zur See nimmt indes 
in weit größerm Matz zu. Außerdem be 
steht von den asiatischen Importen ein 
großer Teil in Ziegelthee. Der Wert des 
1878 importierten Thees beziffert sich auf 
175,3 Mill. Mk., davon für 118 Mill. 
Mk. über die europäische und für 56,4 
Mill. Mk. über die asiatische Grenze, was 
für die weit höhere Qualität des erstern 
spricht. Der »Kiachtasche« Thee ist in 
Kisten verpackt, welche innen mit Papier 
und Palmblättern ansgeschlagen und in 
Felle genäht sind; bei dem »Kantonschen« 
(der über London kommt) haben die Kisten 
innen eine Bleiverkleidung. Kiachtathce 
wird für die ganze Kiste, Kantonthee pro 
Nettopfnnd gehandelt. — Kaffee wird in 
weit geringerm Matz konsumiert. Dem 
obenerwähnten Einfuhrwert von Thee 
steht für 1878 nur ein solcher von 18,2 
Mill. Mk. gegenüber. Doch ist die Ein 
fuhr eine sehr stark wachsende, sie betrug 
1877: 4,7 Mill, kg und 1879: 7,7 Mill, 
kg. Der Kaffee, meist mittlere und höhere 
Sorten, wird zum größten Teil über Pe 
tersburg, 20 Prozf über das Schwarze 
Meer, besonders Odessa, importiert. Der 
Zoll beträgt 29,73 Mk. für 100 kg. 
B. Viehzucht. 
DaS russische Reich steht in Bezug ans 
seinen Reichtum an Bich nicht hoch; wäh 
rend auf 1000 Bewohner in Deutschland 
384 Rinder, 609 Schafe und 173 Schweine 
kommen, entfallen auf dieselbe Zahl der 
Bewohner in Rußland 343 Rinder, 699 
Schafe und 151 Schweine. Nur in den 
Gouvernements Tannen, Donprovinz, 
Astrachan und den ciökaukasischcn Distrik- 
tcn ist Viehzucht die Haupteinnahmequclle 
der Bewohner. Nach der Viehzählung von 
1872 gab es im europäischen Rußland: 
Pferde . 16354000 ! Schafe . 48823000 
Rinder . 23076000 | Schweine 10544000 
Der Viehbestand scheint aber in jüngster 
Zeit eher ab- als zugenommen zu haben. 
Pferde werden wesentlich zu Land, 
namentlich über Wirballen, Grajewo und 
Wolotschisk, exportiert. Die meisten Pferde 
gehen nach Deutschland, 1875: 28,000 
von 33,000 Stück, 1876: 26,000 von 
42,000 Stück. 1877 war die Ausfuhr 
wegen des Kriegs verboten und siel auf 
370, stieg aber schon 1878 auf 15,648 und 
1879 auf 32,864 Stück. 
Schlachtvieh. Das Rindvieh, 
das Rußland ausfiihrt, ist ausschließlich 
Schlachtvieh, da es als Zuchtvieh keinen 
Wert hat. Dem Handel treten indes meh- 
rere Hindernisse entgegen: häufige Vieh 
seuchen und dadurch bedingte Absperrun 
gen der Grenze; der geringe Flcischgehalt 
(Durchschnittsgewicht 328 kg, Durch 
schnittswert 195 Mk.) der russischen Rin 
der, so daß dieselben einer Nachmast bedür 
fen; die großen Entfernungen, Kosten und 
die langsame Beförderung alls den russi 
schen Eisenbahnen. DieAusfuhr vonOchscn 
und Kühen erreichte ihre Höhe 1869 mit 
136,636 Stück und betrug 1879 (ähnlich 
den Vorjahren) 47,504 Stück. Sic geht 
über die Landesgrenze (Österreich-Ungarn 
41,263 Stück, Deutschland 5669 Stück), 
wenig über das Schwarze Meer. Der Ex 
port von Schafen (1877: 271,683) geht 
zu Vs—Va, der von Schweinen (738,534) 
zn Vs — a U nach Deutschland. Der Ge 
samtwert der Ausfuhr aller Tiere belief 
M 1878 auf 53,8 9KHI. 9Kf. 
TierischeProdukte. Den ersten Platz 
nimmt hier unbestritten die Wolle ein. 
Nur mit diesem Produkt tritt die ausge 
dehnte Schafzucht bedeutend in den Ver 
kehr. Die meisten der Schafe gehören aber 
noch den unveredelten Rasseil au. Von den 
43,143,200 Schafen, welche man 1875 im 
europäischen Rußland (ohne Finnland 
und Kaukasus) zählte, waren Landschafe 
35,143,200, 9Rcriuo6 8,500,000. (Da' 
gesamte Schafbcstaud in ganz Rußland 
wird aber in neilester Zeit auf 65,4 Mill. 
Stück geschätzt und deren Wollproduktion 
alls 177,i Mill.kg, so daß Rußlandnahezu 
die Hälfte der gesamten Produktion Euro 
pas, ca. 403,6 Mill, kg, liefert. Von die 
sem Ertrag führt Rußland bedeutende 
Quantitäten aus, während es zugleich 
wachsende Mengen vom Ausland bezicht
	        
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