Full text : Lexikon der Handelsgeographie

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Russisches  Reich  (tierische  Produkte).

Der  Handel  mit  Rohwolle  wertete  (in
Millionen  Mark):
Einfuhr  Ausfuhr
1876:  40,o  38,1
1877:  36,8  71,o
1878:  78,4  39,7
Die  Qualität  der  ausgeführten  Wolle  ist
eine  geringe,  solche,  welche  sich  zur  Tep-Pichfavrikation
  und  zur  Herstellung  von
groben  Tuchen  eignet.  Deutschland  iiitb
England  sind  die  Abnehmer  für  Landwolle
(1877:  8,2,  resp.  6,6  Mill,  kg),  Österreich-Ungarn
  für  Merinowolle  (1877:  7/.Mill,
kg).  Sowohl  die  Abnahme  der  Ausfuhr
als  die  Annahme  der  Einfuhr  ist  auf  die
vermehrte  Thätigkeit  der  inländischen
Wollindustrie  zurückzuführen.  Zur  Einfuhr ­
  gelangen  übrigens  nur  bessere  Sorten, ­
  besonders  zur  Tnchfabrikation  geeignete ­
  Kammwollen,  welche  namentlich  aus
Deutschland,  England  und  Rumänien
kommen.  Der  Haupthandel  mit  Merinowolle ­
  findet  in  Charkow,  Kiew,  Moskau ­
  statt,  der  für  gewöhnliche  Wolle  in
Moskau  und  Nishnij  Nowgorod;  außerdem ­
  sind  bedeutende  Exportplätze:  Reval,
Riga,  Odessa,  letzteres  für  Merinowolle.
Der  Eingangszoll  für  Rohwolle  ist
4,36Mk.  pro  100kg(22Kopeken  pro  Pud),
für  gefärbte  und  künstliche  Wolle  8,72  Mk.
(44  Kopeken).  Ein  sehr  ansehnlicher  Teil
der  Schafwolle  wird  übrigens  zu  Pclzwcrk
verarbeitet  und  somit  der  Wollprodnktion
entzogen.  Die  Lammfelle  der  in  den  östlichen ­
  und  südöstlichen  Gouvernements
gezogenen  Fettschwanzschafe  kommen  als
»Baranken«  in  den  Handel.  Die  Anfertigung ­
  von  Schafpelzen  beschäftigt  im
Kreise  Schuja  (Wladimir)  mehr  als  30
Dörfer  mit  5000  Personen;  1877  wurden ­
  dort  2V»Mill.  Rohfelle  angekauft  und
600,000Pelze  sowie  60,000  Fellhandschuhe
im  Wert  von  10,6  Mill.  Mk.  angefertigt.
Der  W  ollverbrauch  ist  ein  sehr  ansehnlicher; ­
  in  dieser  Hinsicht  steht  Rußland
nur  Frankreich  und  England  nach,  sein
jährlicher,  dnrch  die  klimatischen  Berhältnisse
  bedingter  Konsum  beziffert  sich  auf
106,5  Mill,  kg  (in  Deutschland  nur  83
Mill.  kg).  Daher  hat  sich  schon  eine  ziemlich ­
  lebhafte  Industrie  entwickelt.  Es  be-  •
standen  1877:  25  Wollspinnereien  (16  m

Moskau)  mit  15  Dampfmaschinen,  3163
Arbeitern  und  einem  Produktionswert  von
7,7  Mill.  Mk.  Diese  Spinnereien  liefern
iildcö  nicht  genügendes  Material  für  die
russischen  Webereien;  daher  importierte
Rußland  von  Wollgarn:
1877:  2509200  Kilogr.
1878:  5716974
1879  :  5484783

Der  Zoll  für  Wollgarn  beträgt  89,19
Mk.  (4  Rubel  50  Kopeken)  pro  100  kg.
DieWollwcberei  entwickelt  sich  zwar
mehr  und  mehr,  vermag  aber  dem  einheimischen ­
  Bedarf  keineswegs  zu  genügen.
Die  Tuchproduktion  steht  voran.  <sie  hat
ihren  Hanptsitz  in  Moskau,  das  nahezu
die  Hälfte  des  ganzen  Produktions  Werts
liefert,  ist  aber  auch  sehr  bedeutend  in
Ssimbirsk,  Petersburg,  Tambow,  Grodno
u.  a.  Die  Zahl  der  Fabriken  1877  war
294,  der  Webstühle  14,044,  mit  welchen
54,583  Arbeiter  für  123,2  Mill.  Mk.
Ware  lieferten.  Für  andre  Wollwaren
bestanden  außerdem  225  Fabriken  mit
13,934  Webstühlen  und  20,309  Arbeitern
und  einem  Produktionswert  von  54  Mill.
Mk.  Diese  Industrie,  früher  weit  verbreitet,
wird  jetzt  nur  in  den  Gonvernementö
Moskau,  Grodno  und  Livland  betrieben.
Für  Teppichweberei  bestehen  in  Moskau
und  Tambow  10  Fabriken,  welche  mit
607  Arbeitern  für  1,225,000  Mt.  Ware
jährlich  erzeugen.  Die  Teppichsabrikation
ist  aber  in  ausgedehntem  Maß  Hausindustrie, ­
  namentlich  in  den  östlichen  Gouvernements ­
  jenseit  der  Wolga,  in  den  tatarischen ­
  Gouvernements  und  im  Kaukasus.
Die  Filzfabrikation  ist  zwar  nicht  Großindustrie, ­
  aber  schon  nennenswert.  DerJmport
  vonWollfabrikatcn  muß  aber  immernoch ­
  in  bedeutender  Weise  die  Bedürfnisse
befriedigen  helfen;  derselbe  betrug  1877:
1.2  Mill,  kg,  1878:  1,9  Mill,  und  1879:
2.3  Mill.  kg.  Der  Wert  der  Einfuhr  war
1875  noch  51,5  Mill.  Mk.  gewesen,  siel
bis  1877  auf  20,9  Mill.  Mk.  und  betrug
1878:  33,6  Ditti.  Mk.  ;  über  die  asiatische
Grenze  wurde  1878  für  4,2  Mill.  Mk.  exportiert. ­
  Die  Zollsätze  sind  außerordentlich ­
  hoch;  der  Zoll  auf  wollene  Gewebe
beträgt  10  Kopeken  bis  3  Rubel  pro  Pfund,
i).  ï).  79,28-2378,40  9kl.  für  100  kg.
            
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