Full text : Lexikon der Handelsgeographie

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Türkisches  Reich  (Finanzen,  Kreditwesen  rc.)>

Ud  5308  Kamele  bewerkstelligt  und
38,  t/7  Kollr  transportiert.  —  Die
Eisenbahnen  hatten  1879  in  Europa
E  Länge  von  1469  km;  in  Asien  waren
394  km  gebaut,  davon  280—290  im  Betrieb. ­
  Geplant  ist  die  Ausführung  einer
Bahn  von  Adana  über  Bagdad  bis'Basra
am  Persischen  Golf.  —  Die  Post  beförderte ­
  1874  in  34  Postanstalten:
2,439,000  Briefe  und  Postkarten,  75,000
Warenproben  und  Drucksachen,  1,250,000
Zeitungen,  zusammen  3,764,000  Sendungen. ­
  Einnahme:  2,753,130.  Ausgabe:
1,856,398  Ml.  —  Die  Telegraphen
des  Staats  hatten  1878  eine  Hänge  von
27,497  km,  die  Drähte  von  52,142  km
mit  417  Bureaus.  Die  Zahl  der  aufgegebenen ­
  internen  Depeschen  belief  sich
aus  523,230,  der  internationalen  auf
291.453,  der  offiziellen  auf  530,019,  iin
ganzen  J  ,344,702.  Einnahme:  2,782,590,
Ausgabe:  4,428.899  Mk.  —  Der  Schiffsverkehr ­
  in  allen  Häfen  des  türkischen
Reichs  war  1878—79  folgender:
Schiffe  Tonnen
Konstantinopel,  Küstengependen
des  Mittelländ.  u.  Schwarzen
Meers,  des  Bosporus.  .  .  183737  19513559
Smyrna  (inkl.  Küstenfahrzeuge)  5565  845064
Rotes  Meer  4704  429848
Persischer  Meerbusen  ....  894  131483
Regelmäßige  Dampsfchiffsvcrbindungen
werden  zwischen  den  Hauvtseeplätzen  der
Türkei  und  den  Häfen  deö  Schwarzen
und  Adriatischen  Meers  wie  des  westlichen
Mittelmeerbeckenö  (Odessa,  Triest,  Brindisi, ­
  Messina,  Marseille  k.)  durch  die
Messageries  maritimes  und  die  österreichischen ­
  Lloyddampfcr  unterhalten.  —
Die  Handelsflotte  wird  auf  220  Segelschiffe ­
  weiter  Fahrt  von  34,500  Ton.
und  11  Dampfer  von  3350  T.  angegeben;
mit  Einrechiulng  der  Küstenfahrer  soll
der  Gehalt  181,500  T.  betragen.
Konsulate.  In  den  uiunittelbaren
Besitzungen  (wegen  der  mittelbaren  vgl.
die  betreffenden  Artikel)  unterhält  Deutschland
  Berufskonsuln  in:Beirut,Jerllsalein,
Kale  Sultania,  Konstantinopcl,  Smyrna;
Handelskonsuln  in  :  Aleppo  und  Saloniki  ;
Blcekonsnln  in:  Alerandrette,  Damaskus,
Haussa,  Jaffa,  Lattakich,  Saida,  Tripolis;

Konsularagenten  in:  Antiochia,  Cavalla,
Rodosto.
IV.  Finanzen,  Kreditwesen  rr.
Die  seit  1863  aufgestellten  Budgets
haben  regelmäßig  Überschüsse  ergeben,  was
aber  thatsächlich  auf  Täuschung  beruhte.
Das  Budget  für  1879—80  gibt  die  Einnahmen ­
  auf256,4Mill.,  die  Ausgaben  auf
234,7  Mill.  Mk.  an.  Danach  stellt  sich  ein
Uberschuß  von  21,7  Mill.  Mk.  heraus,
allein  dies  günstige  Resultat  ist  nur  scheinbar, ­
  da  243  Mill.  Mk.  an  Zinsen  für  die
Staatsschuld  nicht  bezahlt  werden.  So
müssen  z.  B.  die  Zinsen  für  die  von  Frankreich ­
  und  England  garantierte  Anleihe  im
Betrag  von  2,2  Mill.  Mk.  von  diesen
Mächten  selbst  gezahlt  werden.  Aber  die
Einnahmen  dürften  sich  auch  bedeutend
verringern,  wenn  es  nicht  gelingt,  neue
Anleihen  31t  emittieren.  Ein  Fünftel  der
Steuern  wird  zur  Einziehung  des  Papiergelds ­
  benutzt  werden  müssen.  Da  die
anbern  vier  Fünftel  sowie  die  Zollgebühren ­
  in  Silber  entrichtet  werden,  sö  wird
sich  ein  Verlust  von  6-10  Proz.  ergeben,
so  daß  also  das  Finanzjahr  1879—80
»nt  einem  Defizit  von  61  Mill.  Mk.  abschließen ­
  dürfte.  —  Die  Staatsschuld
war  bis  zum  Krimkrieg  höchst  unbedeutend
(ca.  192  Mill.  Mk.);  1855—56  wurde
dann  mit  einer  Anleihe  von  349  Mill.
Mk.  und  der  von  Jahr  zu  Jahr  steigenden
Ausgabe  von  Papiergeld  der  Grund  zii
dem  Ruin  der  türkischen  Finanzen  gelegt;
1879—80  war  die  dafür  zu  zahlende  8inSsnmme285,4Mill.
  Mk.  Ziemlich  alle  nennenswerten ­
  Einnahmen  sind  für  die  verschiedcnenAnlehen
  verpfändet  worden.  Der
ägyptische  Tribut  muß  direkt  an  die  Bank
von  England  abgeführt  werden;  die  Zölle
von  Konstantinopel  sind  für  das  Ansehen
von  1855,  der  Ertrag  der  verschiedenen
Zehnten  für  die  von  1860,  der  Ertrag  des
Tabaks-  und  Salzmonopols  für  die  voll
1862,  andre  direkte  Abgaben  für  die  von
1863,  die  Abgaben  von  den  Schafherdcil
in  Rumelien,  von  den  Kupferbergwerken
und  verschiedenen  Steuern  in  Syrien  für
die  von  1865,  der  Zehnte  in  den  Donauprovinzen ­
  für  die  Anleihe  von  1869,  der
Ertrag  der  Eisenbahnen  für  jene  von  1871
verpfäildet.
            
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