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Belgien (Areal und Bevölkerung; Urproduktion: Ackerbau).
konstitutioneller Negierung, umfaßt, in
neun Provinzen geteilt, ein Areal von
29,455 qkm (534,9 QM.) mit (i87o)
5,536,140 Einw. (fast sämtlich Katholiken ;
daneben ca. 15,000Protestanten nnd3000
Juden, beide zur größer» Hälfte in den
Provinzen Antwerpen »»b Brabant).
Bon fremden Staatsangehörigen wurden
1866 gezählt 98,096, worunter 39,479
Holländer, 32,021 Franzosen, 20,701
Deutsche, 3003 Engländer. Im N. ist die
Bevölkerung vlämisch, im S. wallonisch.
Auf jene kommen etwa 54, auf letztere
44 Proz. Bon den 5,336,185 Bewohnern
des Jahrs 1876 sprachen 2,256,860 fran-
3Ö|ifd), 2,659,890 ülmni#, 340,770 beibc
Sprachen, 38,070 deutsch. Die offizielle
Sprache ist die französische. — Von 1841
bis 1866 wanderten49,953 Personen mehr
aus als ein, von 1867—78 aber 50,610
Personen mehr ein als auö; die höchste
Ziffer erreichte die Mehreinwanderung
1870mit9245 Personen. B.ist daöbeiwei
tem am dichtesten bevölkerte Land Europas :
eö kommen ans 1 qkm 188 Bewohner.
Urproduktion.
Der Landbail hat sich unter nicht sehr
günstigen Lokalverhältnissen zu einer hohen
Stufe der Entlvickelung gehoben; eö sind
von der Gesaiiltflächc 85,3 Proz. produktiv
und nur 14,7 Proz. unproduktiv. Zu dem
letzternTeil gehört namentlich die mit Moo
ren gefüllte »Campine«, eine Hochebene in
dem nördlichen Teil der Provinzen Ant
werpen und Limburg. Es entfallen auf:
Ackerland • 49,3 Prozent
Garten - und Weinland. - 4,o -
Wiesen und Weideland. . 17,u -
Waldungen 15, o
Dank der musterhaften Kultur ist der
Ertrag der Ländereien ein sehr großer,
dennoch bedarf das Land stets einer be
deutendeil Einfuhr von Brotkorn. Die
Ernteerträge von Cerealien schwankten in
den letzten Jahren zwischen 20,5 und 26,2
Mill. hl. Im Jahr 1877 wurden 22,67
Mill, hl geerntet und zwar:
_ Weizen .... 5,75 Mill. Hcktol.
Spelz 2,46 -
Roggen 5,95
Gerste 1,27
Hafer 7,24 -
Aber dieser Ertrag, welcher den des
rößern Nachbarlands Holland um ca.
0 Mill, hl übersteigt, genügt bei weitem
nicht dem Bedarf der Bevölkerung, und
große Mengen von Getreide aller Art,
jährlich zwischen 500 und 600 Mill, hl,
müssen ans andern Ländern zugeführt
werden. Der Wert der Einfuhr von Ge
treide nild Brotstoffen bezifferte sich 1877
auf 199,6 Mill. Mk. lind zwar:
Weizen und Spelz •. . . . 84,7 Mill.
Roggen 25,8 -
Gerste 24,6 -
Hafer, Mais rc. .... 19,2 -
Hiilsenfriichte 3,5 -
Mehl, Teigwaren .... 41,8 -
Dagegen wurde nur für 64,5 Mill. Mk.
Getreide ausgeführt, wovon auf Weizen
allein 24,5 Mill. Mk. entfallen. Einem
durchschnittlichen Jahresimport von 183
Mill. Mk. steht eine Ausfuhr von nur
54.8 Mill. Mk. gegenüber, so daß der Mehr
aufwand für Brotfrüchte sich auf jähr
lich 128,2 Mill. Mk. beziffert. Hinsichtlich
der wichtigsten Bezugs- und Absatzländer
liegen folgende Angaben für 1878 vor
(Wert in Millionen Mark):
Einfuhr Ausfuhr
Frankreich 27,6 14,3
England 2,8 —
Niederlande — 1,9
Deutschland 13,7 5,i
Vereinigte Staaten . . 28,7
Die sehr bedeutende Einfuhr auö Rußland
ist ziffermäßig nicht anzugeben; beträcht
lich aber wächst die der Vereinigten Staa
ten (von 241,4 Mill, kg in 1878 auf
451.8 Mill, kg in 1879), welche schon die
übrigen Importländer zurückzudrängen
anfangen, ivas den Rilf nach Schutzzöllen
seitens dcr Landbaucr znrFolge gehabt hat.
Der Getreidehandel überhaupt zeigte in
jüngster Zeit folgende Bewegung (in Mil
lionen Kilogramm):
Einfuhr Ausfuhr
1877: 821,7 279.3
1878: 1087,7 397,9
In dem letzter» Jahr hatte die Ein-
fuhr einen Wert von 231,1 Mill. Mk., die
Ausfuhr von 78,5 Mill. Mk., so daß das
Land eine Summe von 153 Mill. Mk. zur
Bestreitung seiner Bedürfnisse in dieser
Richtrmg aufzubringen hatte. — Dagegen