Full text : Zur Erneuerung des deutschen Bankgesetzes

38

in  Zahlung  nehmen  mußte,  konnte  der  Verkehr  die  überflüssigen  Thalermengen ­
  an  die  Reichsbank  abschieben  und  dafür  Goldgeld  aus  ihren
Kassen  an  sich  ziehen.  Infolgedessen  gestaltete  sich  die  Zusammensetzung ­
  des  Metallvorrates  der  Reichsbank  und  die  Golddeckung  der
Reichsbanknoten  überaus  ungünstig.  Im  Durchschnitt  des  Jahres
1881  hatte  die  Neichsbank  einen  Goldvorrat  von  nur  207  Millionen
Mark,  gegen  350  Millionen  Mark  in  Thalern  und  Scheidemünzen;
der  Notenumlauf  war  mir  zu  28  °/o  durch  Gold  gedeckt 1 .  Vorübergehend ­
  waren  die  Verhältnisse  noch  beträchtlich  ungünstiger  als  dieser
durchschnittliche  Stand.  Die  Lage  wurde  verschlimmert  durch  den  damaligen ­
  Rückgang  der  Goldproduktion  und  durch  große  Goldbezüge  für
Italien  unb  die  Vereinigten  Staaten,  welche  beiden  Länder  damals  den
seit  Jahren  bestehenden  Zwangskurs  für  Papiergeld  und  Banknoten
beseitigten  und  die  Barzahlungen  in  Gold  aufnahmen.  Unter  diesen
Verhältnissen  war  nicht  nur  eine  Stärkung  der  Goldreserve  der  Reichsbank ­
  durch  Herbeiziehung  von  Gold  aus  dem  Ausland  sehr  erschwert,
es  war  sogar  bereits  schmierig,  den  vorhandenen  kleinen  Goldvorrat
zu  verteidigen,  und  die  Reichsbank  sah  sich  zu  diesem  Zweck  genötigt,
hohe  Diskontsätze  zu  halten.  Es  ist  ihr  gelungen,  über  diese  schwierige ­
  Zeit  hinauszukommen,  ohne  daß  der  Bestand  der  deutschen  Goldvaluta ­
  erschüttert  worden  ist.
Seit  dem  Jahre  1883  bewegt  sich  die  Goldgewinnung  in  aufsteigender ­
  Linie.  Die  Reichsbank  hat  es  verstände!,,  einen  erheblichen
Teil  des  neuproduzierten  Goldes  für  das  deutsche  Geldwesen  zu  gewinnen. ­
  In  den  13  Jahren  von  1885  bis  1807  hat  sie  für  1626
Millionen  Mark  Gold  in  Barren  und  fremben  Münzen  angekauft.
Der  weitaus  größte  Teil  dieses  Goldes  wurde  den  deutschen  Münzen
zur  Ausprägung  in  Reichsgoldmünzen  überwiesen.  Voir  1885  bis
Ende  1897  wurden  irr  Deutschlaird  Reichsgoldnrünzen  im  Betrag  vorr
1308  Millionen  Mark  neugeprägt,  alle  ans  Rechnung  der  Reichsbank.
Ein  Teil  des  airgekauften  Goldes  wurde  zur  Verstärkung  des  Vestairdes
der  Neichsbank  an  Gold  irr  Barren  und  fremben  Sorten  benutzt,
der  sich  vom  1.  Januar  1885  bis  zum  31.  Dezember  1897  von  72
Millionen  auf  305  Millioireir  Mark  erhöht  hat.  Der  Nest,  etwa
85  Millionen  Mark,  wurde  wieder  verkarrft.

1  Siehe  meine  Beiträge  zur  Geschichte  der  deutschen  Geldreform,  S.  470.
Dort  ist  zum  erstenmal  eine  Statistik  der  Goldbestände  der  Reichsbank  seit  ihrer
Begründung  mitgeteilt.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.