eigenen Mittel in Effekten festgelegt hätte; denn woher hätte sie
dann die 108 Millionen Mark nehmen sollen, welche im Durchschnitt
des Jahres 1897 in der Lombardierung von Wertpapieren angelegt
waren? Nur dadurch, daß die Bank ihre eignen Mittel als Ge
schäftsfonds verwendet, ist es ihr möglich, ein mnfangreiches Lom
bardgeschäft zu betreiben und trotzdem ihre sämtlichen täglich fälligen
Verbindlichkeiten durch Bargeld und Wechselforderungen gedeckt zu
halten.
Im Gegensatz zur Reichsbank liegen die Dinge bei der Bank
von Frankreich folgendermaßen:
Im Durchschnitt des Jahres 1897 beliefen sich ihre täglich
fälligen Verbindlichkeiten auf 4296 Millionen Fres. Es stand ihnen
gegenüber ein Barvorrat von 3185 Millionen Fres, und ein Wechsel
portefeuille voir 727 Millionen Fres., zusammen 3912 Millionen Fres.
Die täglich fälligen Verbindlichkeiten, welche bei der Reichsbank durch
Bargeld und Wechsel bis zu ihrem vollen Betrag gedeckt waren,
überschritten also bei der Bank von Frankreich ben Bargeldbestand
und das Wechselportefeuille um einen Betrag von 384 Millionen Fres.
Da die durchschnittliche Lombardanlage der Bank von Frankreich
365 Millionen Fres, betrug, waren ihre täglich fälligen Verbindlich-
keiten nicht einmal dann bis zu ihrem volle» Betrage bankmäßig
gedeckt, wenn man auch die Lombardanlage zu der bankmäßigen
Deckung rechnet.
Zweifellos hat also die Verwendung des Grundkapitals als Be
triebsfonds vor seiner Anlage in Effekten den Vorzug, daß die Bank
ein umfangreiches Lombardgeschäft betreiben kann, ohne Lombard-
forderungen als Deckung für täglich fällige Verbindlichkeitelt verwenden
gn müssen.
Noch wichtiger ist jedoch der folgende Gesichtspunkt * :
Wenn eine Notenbank ihre eignen Mittel nicht in Effekten fest
legt, sondern sie wie die Noten und fremden Gelder zur Kredit
gewährung, also zur Diskontierung von Wechseln und zur Gewährung
voir Lombarddarlehen verwendet, dann ist bei einem gleichen Umfang
ihrer täglich fälligen Verbindlichkeiten ihre Anlage in kurzfristigen
Forderungen eine größere, mithin der aus dieser Anlage sich ergebende
regelmäßige Rückfluß von Barmitteln, welcher zur Einlösung der täg
lich fälligen Verbindlichkeiten notwendig ist, ein stärkerer. Jnfolge-
1 Vergl. die Ausführungen über die Bedeutung des Grundkapitals in
A. Wagners System der Zettelbankpolitik.