Full text: Der Zukunftsstaat und die Lösung der socialen Frage

89 
überwogen, indem dem Lande allein an Kapitalien mit Einschluß 
der Erzichungs- Unterhaltungs- und Uebersahrtskosten, bei einer 
jährlichen Auswanderung von durchschnittlich Sechzig Tausend 
Kopsen, pro Person nur zu 2000 Mark veranschlagt, in jedem 
ñvhre 120 Millionen Mark für immer verloren gehen. 
ä. Gewinnung von Ackerbau- und Handels-Colonien. 
Die staatsbedrohlichen Folgen der rapiden Bolksvermchning 
solvic fernere immense Verluste am Nationalvermögen können von 
Deutschland nur durch Anlegung von Ackerbau- und Handels- 
Colonien in überseeischen Ländern abgewendet werden, indem als 
dann nicht nur das Mutterland rinnt erheblichen Theil des Ueber- 
schusscs semer Bevölkerung unterbringt, sondern auch die Kolonisten 
mit dem Muttcrlande durch Tauschhandel wirthschaftlich und wenig 
stens so lange die eigenen Bcrthcidigungskrâste nicht genügen ditrch 
dessen Schutz auch staatlich eng verbunden bliebenaußerdem 
Ivütdcn in und von diesen Colonie,, aus für deutsche Arbeitscrzeug- 
„isse neue Märkte und Haudelsgebiete erschlossen ivcrden. Bei An 
lage von Ackerbau- und Handelscolonicn würde bezüglich der er 
steren möglichst menschenarme und hinsichtlich der letzteren haupt- 
jächlich stark bevölkerte Länder zu wählen und daneben die Grün 
dung von Strascolorücn zu erstreben sein, wohin alle zu einer 
mehrjährigen Freiheitsstrafe Verurtheiltcn gebracht würden und wo 
diejenigen von ihnen, welche „ach Verbüßung ihrer Strafe dort zu 
bleiben wünschen und sich während der Straszeit ordentlich betragen 
oder doch wesentlich gebessert haben, ein zu ihrer Existenz ge- 
»ügcndcS Stück Land in Erbpacht gegeben werden könnte. Durch 
solche Strafkolonien würde ein dreifacher Vortheil erreicht; einmal 
daß die Departirte» an eine regelmäßige Thätigkeit gewöhnt und 
gebessert, zweitens, daß die Concurrenz der Gesang,iißarbcit ver 
mindert und drittens, daß in der seit den letzten Jahrzehnten noth 
wendig gewordenen und den, Staate enorme Kosten verursachenden 
stetigen Vermehrung der Gefängnisse und Sttasanstaltcn rin lang-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.