Full text : Der Zukunftsstaat und die Lösung der socialen Frage

23

Häuser  für  Jünglinge  und  Jungfrauen  gelten  dürfen,  von  diesen
deshalb  so  wenig  benutzt  werden,  weil  dort  auf  das  Innehalten  der
Feierstunden,  also  ein  kleiner  Verzicht  auf  ihre  persönliche  Freiheit
gefordert  werden  muh.  Ebensowenig  Anklang  finbcn  im  Allgemeinen
die  Volksküchen,  obwohl  dieselben  doch  durchschnittlich  schmackhafteres
und  billigeres  Essen  liefern,  als  es  die  einzelnen  Haushaltungen
vermögen.  Der  Hauptgrund  zu  dieser  Thatsache  dürfte  wohl,  abgesehen ­
  von  mancherlei  Borurtheilen,  dann  liegen,  daß  der  gleichsam ­
  militärische  Zwang,  ohne  Rücksicht  auf  den  Geschmack  zur  bestimmten ­
  Zeit  und  zu  bestimmten  Preisen  zu  essen,  sich  nicht  mit  der
Freiheit  verträgt,  heute  zu  sparen,  um  sich  später  einen  größeren
Genuß  zu  verschaffen,  oder  auch  den  Kindern  mehr  zu  Gute  kommen
zu  lassen.
Weit  mehr  als  diese  und  andere  wohlthätigen  Institute,  wie:
Vorschuß-  und  Consumvereine,  Spitäler,  Erziehungsanstalten,  Armenhäuser, ­
  Kindergärten  und  dergleichen,  sprechen  insbesondere  den
Arbeitcrstand  solche  echt  individualistische  Einrichtungen  an,  durch
welche  es  ihm  leicht  gemacht  wird,  mittelst  kleiner  Ersparnisse  sich
allmählig  ein  eigenes  Hänschen  und  Heimwcscn  zu  erwerben;  ja,  ein
eigenes  gemüthliches  Hauswesen,  in  welchem  er  sich  mit  den  Seinigen
wohl  und  behaglich  fühlen  und  nach  eigner  Neigung  leben  kann,  nicht
aber  eine  tägliche  allgemeine  Abfütterung  oder  gar  das  Einpferchen  in
Arbeiterkasernen,  die  ihm  als  Zwangsarbeitshäuser  erscheinen,  wünscht
der  Arbeiter.  Und  dennoch  verhält  sich  da,  wo  Menschenfreunde
durch  Gründung  von  gemeinnützigen  Ballgesellschaften  solche  Heimstätten ­
  für  die  Arbeiter  zu  beschaffen  bemüht  sind,  die  socialdemokratische ­
  Presse  theils  ablehnend  und  spöttisch,  theils  sogar  feindselig.
Aber  warum?  weil  sic  befürchtet,  daß  ein  Socialdemokrat  als  Hausbesitzer ­
  leicht  ein  Abtrünniger  wird.  Deshalb  soll  auch  im  Zukunftsstaate ­
  das  Uebcrlassen  von  Wohnungsräumen  in  Privathäusern
gegen  Annahme  eines  Miethzinses  unstatthaft  sein,  und  dadurch
verhindert  werden,  daß  der  Hauscigcnthümer  sich  eine  billigere  oder
gar  freie  Wohnung  verschaffe,  vielmehr  soll  ihm  der  Besitz  so  er-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.