$ 25. Das Angebot von Ka; italdisposition. ;
reis bezahlt werden muß, damit es in bestimmter Menge dargeboten
wird und daß das Angebot dieses Opfers, also die Kapitalbildung, regel-
mäßig mit dem dafür bezahlten Preis, d. h. mit dem Zinsfuß steigt,
daß also umgekehrt jedes Sinken des Zinsfußes die Kapitalbildung
ermindern würde, Diese Annahme dürfte vielleicht im ganzen der
irklichkeit annähernd entsprechen. Eine nähere Betrachtung der.
Frage zeigt aber, daß die Wirkungen der Bewegungen des Zinsfuße
keineswegs einheitlich sind, daß vielmehr ein Sinken des Zinsfußes,
elches sich innerhalb der gewöhnlichen Grenzen dieser Bewegun
hält, die Kapitalbildung je nach den Umständen in entgegengesetzten
Richtungen beeinflussen kann,
Der gewöhnliche Sparer der mittleren Einkommensklasse, der _da-
nach strebt, ein Kapital zu bilden, um vom Ertrag desselben zu leben,
muß bei niedrigem Zinsfuß ein größeres Kapital zusammensparen, um
sich eine bestimmte Jahresrente zu sichern. Es ist also möglich, daß ein
Sinken des Zinsfußes ihn zu größeren Anstrengungen in dieser Richtung
anspornt und folglich eine stärkere Kapitalbildung hervorruft. Es ist
aber auch möglich, daß der Betrag, den der Sparer zurückzulegen im-
stande ist, ziemlich beschränkt ist, und daß er sich deshalb bei niedrigem
Zinsfuß mit einer niedrigeren künftigen Rente begnügen muß. Auch
muß beachtet werden, daß ein Sparer, der bei höherem Zinsfuß ei
Kapital zusammenzubringen vermochte, dessen Ertrag zur Deckun
seiner Jahresbedürfnisse genügte, bei niedrigem Zinsfuß dies nicht
länger fortsetzen kann, sondern die leichtere Methode der Fürsorge für
ie Zukunft, die im Erwerb einer Pension besteht, wählen muß. Eine
solche Veränderung ist natürlich ein für den Kapitalmarkt ungünstiges
oment, muß, wenn sie sich in beträchtlichem Umfang durchsetzt, auf
die Länge der Zeit das Angebot von Kapitaldisposition erheblich ver-
mindern. Daß zufällige große Gewinne nicht gleich konsumiert, sondern
dem Vermögen zugeführt werden, ist eine Erscheinung, auf welche
er Zinsfuß keinen sehr bedeutenden Einfluß ausüben dürfte. Dasselbe
gilt wohl auch für einen zufälligen notgedrungenen Verbrauch eines
Teils des Gesamtvermögens. Auf die Rücklagen für unvorhergesechene
Fälle und die Kapitalkonsumtion bei solchen Fällen dürfte der Zins-
uß ebenfalls keinen besonderen Einfluß ausüben. Dagegen ist vielleicht
anzunehmen, daß ein hoher Zinsfuß dem antizipierten Verbrauch eine
künftig erwarteten Einkommens etwas entgegenwirkt, ein niedriger
insfuß dagegen einen solchen Verbrauch weniger bedenklich erscheinen
äßt. Auch die Staatsfinanzverwaltungen dürften sich einem solche
influß kaum vollständig entziehen.
Für die Kapitalbildung der produktiven Betriebe dürfte ein Sinken
es Zinsfußes_keine ganz einheitliche Wirkung haben. Da aber solche
etriebe_meistens_Schuldner größten Stils sind, bedeutet ein niedriger
insfuß für sie einen größeren Gewinn, also jedenfalls eine Möglichkei
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