Full text : Die Zucker-Industrie auf Cuba

gekommen:  daß  sie  außerordentlich  drückend  war,  ergaben  die  Klagen  darüber. ­
  Die  Pflanzer  von  Havana  und  Matanzas  führten  im  Herbst  1886
bei  der  Regierung  in  Madrid  Beschwerde  über  die  Höhe  der  Abgaben;  sie
verlangten  nicht  nur  schleunige  Aufhebung  des  Ausfuhrzolles  von  Zucker
und  Branntwein  sowie  Ermäßigung  der  Einfuhrzölle,  namentlich  derer  von
Maschinen,  sondern  auch  eine  Herabsetzung  der  sehr  hohen  Bahntarife  um
den  dritten  Theil.  Im  Einklang  hiermit  steht  eine  Erklärung  der  Eisenbahngesellschaft ­
  Cardenas-.Jucaro,  welche  zur  Herabsetzung  ihrer  Tarife  um
30%  sich  bereit  zeigte,  sofern  die  Regierung  die  Abgabe  von  der  Brutto-Einnahme
  der  Bahn  statt  der  bisherigen  16%  auf  5%  ermäßigen  würde.
Da  die  Insel  Cuba  die  Etoffe  zur  Befriedigung  der  gewöhnlichen
Lebensbedürfnisse  nicht  liefert  und  wahrscheinlich  auch  in  Zukunft  nicht,
wenigstens  nicht  zur  Genüge,  liefern  wird,  so  ist  sie  genöthigt,  alles  vom
Auslande  zu  beziehen.  Seit  langen  Jahren  ist  aber  die  Einfuhr  durch  starke
Zölle  belastet,  welche  für  die  Regierung  zwar  eine  ergiebige  Einnahmequelle ­
  bildeten,  aber  für  die  Bewohner  der  Insel  von  Jahr  zu  Jahr
drückender  wurden,  je  mehr  der  Wohlstand  derselben  in  Niedergang  gerieth.
Die  nothwendigsten  Lebensbedürfnisse  wurden  außerordentlich  dadurch  vertheuert,
  der  zehnjährige  Krieg  hat  den  Viehbestand  der  Insel  sehr  verringert;
die  Fleischpreise  waren  zu  enormer  Höhe  gestiegen;  ihre  Ermäßigung  wurde
verhindert  durch  hohe  Einfuhrzölle  ans  lebendes  Vieh,  auf  frisches  Fleisch

ans  Südamerika,  welches  die  hauptsächlichste  Nahrung  für  die  Sklaven

genug  zu  beziehen;  allein  zu  Gunsten  der  spanischen  Mehlausfuhr  liege  ein
so  hoher  Einfuhrzoll  auf  amerikanischem  Mehl,  daß  es  noch  Rechnung
brächte,  Amerikanisches  Getreide  nach  Spanien  zu  fahren,  es  dort  zu  vermahle, ­
  l  und  dann  das  daraus  gewonnene  Mehl  als  spanisches  nach  Cuba
zu  bringen.  Der  vom  Jahre  1870  ab  in  Kraft  getretene  Zolltarif  für  die
Einfuhr  nach  Cuba  war  sehr  eomplicirt;  er  enthielt  nicht  weniger  als  614
genau  bestimmte  Posten,  welche  wiederum  in  vier  Klassen  je  nach  der  Herkunft ­
  der  Waaren  und  nach  der  Nationalität  der  Schiffe  abgestuft  waren,
nämlich:

zumeist  betrugen  die  der  2.,  3.  oder  4.  Klasse  das  2-,  3-  oder  4fache  der
ersten.  Zur  Erläuterung  mögen  die  nachstehenden  Beispiele  dienen,  welche
dem  Zolltarif  für  die  Insel  Cuba  vom  10.  September  1869  entnommen
sind.  In  den  Sätzen  ist  der  Kriegszuschlag  bereits  inbegriffen  und  der
            
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