Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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einem weiteren Publicum gelesen, und es erscheinen davon 
fortwährend neue Ausgaben. In England und in Nordamerika 
gehört Hume zu den Schriftstellern, aus denen man sich noch 
bildet und belehrt. Obwohl seine uns hier speciell angehenden 
ökonomischen Reflexionen zu einem grossen Theil in das um 
fassende Werk Adam Smiths übergegangen sind, übt ihre ge 
fällige Form und verhältnissmässige Kürze noch immer einen 
grossen Reiz aus, so dass sie sowohl dem volkswirthschaftlich 
höher Gebildeten als auch demjenigen, der sich in erheblichen 
Richtungen noch erst zu bilden hat, Theilnahme abzugewinnen 
vermögen. Dieser Umstand will sehr viel sagen, wenn man 
bedenkt, was seitdem in unserm Gebiet geschehen und versucht 
worden ist. Muss man auch mit dem Beiwort des Classischen 
sehr sparsam umgehen, und geben die Erscheinungen seit dem 
18. Jahrhundert vielleicht auch keinen genügenden Grund, es 
in seinem höchsten Sinne anzuwenden, so dürfte doch eine An 
näherung daran von den Hurneschen Arbeiten ohne Besorgniss 
gerühmt werden können. 
Die Ausgabe der „Politischen Abhandlungen", auf die ich 
mich hier beziehe, ist die zweite und bildet den vierten Band 
der „Essays and treatises on several subjects," 1753. Die ge- 
kanntesten unter den betreffenden Aufsätzen sind die über das 
Geld, über den Zinsfuss und über die Handelsbilanz, und sie 
sind auch in der That am besten geeignet, die Vorstellungsart 
Humes im nationalökonomischen Gebiet kennen zu lehren. 
Doch müssen wir die ganze Gruppe von Aufsätzen, welche der 
grosse Denker nicht absichtslos vereinigt hat, als den Ausdruck 
eines zusammenhängenden Gedankenkreises ansehen. Hume 
übersah die verschiedensten Richtungen der volkswirthschaft- 
lichen Vorgänge mit dem Blick eines Mannes, der gewohnt ist, 
seinen Gegenstand vollständig zu durchdenken. Es sind nicht 
blosse Aperçus, sondern es ist eine Art von ¡System, welches 
in dieser Reihe von Abhandlungen zum Ausdruck gelangt. 
Dürfen wir auch keineswegs soweit gehen, als manche Beur- 
theiler gethan haben, und den Abstand von der Form des 
Smithschen Werks verkennen, so müssen wir uns doch vor 
dem entgegengesetzten Fehler hüten, einem Hume allzu leicht 
die innere Einheitlichkeit seiner Anschauungsweise abzusprechen. 
Seine Abhandlungen sind kein System, in welchem ein ein 
ziges Princip, wie bei Adam Smith, ausdrücklich als stets maass-
	        
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