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dürfûisse sind die eigentliche Ursache der Arbeit” (S. 1*2).
Dieser Satz, der den Eckstein der späteren modernen Systeme
bildet, steht noch dazu in der einleitenden Abhandlung. Dennoch
hat er aber bei Hume selbst nicht die Bedeutung und Trag
weite, die ihm sein Gebrauch als durchgreifendes Princip nach
her in den Verzweigungen sehr verschiedener Gedankenkreise
verschaffte. Was der Autor unmittelbar hinzufügt, greift sogar
bis zu den leitenden Vorstellungen der jüngsten und am meisten
fortgeschrittenen Systeme vor. Er spricht sich nämlich über
die Beziehung der Industrie zum Ackerbau gleich im Anschluss
an jenen Satz dahin aus: „Wenn eine Nation an Manufacturen
und technischen Künsten reich ist, so werden sowohl die Land-
eigenthümer als die Landwirthe den Ackerbau als eine Wissen
schaft studiren und ihre Thätigkeit und Aufmerksamkeit ver
doppeln.” So richtig nun diese Vorstellungen an sich sind, so
haben wir uns dennoch zu hüten, in ihnen schon die Gonse
quenzen vorwegzunehmeu, die sich erst später an dieselben
knüpften. Die Pormulirung eines allgemeinen Gedankens kann
einen sehr verschiedenen Sinn haben, jo nachdem derjenige,
welcher ihn fasste, ihn mehr oder minder als Princip zur Gel
tung brachte oder nur als Ergebniss der Reflexion hinstellte.
Das Bewusstsein von einem solchen Gedanken wird in Rück
sicht auf die Folgen und auf den Zusammenhang mit andern
Sätzen eine mannichfaltige Gestaltung aufweisen können, und
von dem Falle, in welchem die Vorstellung ganz wirkungslos
auftaucht, bis zu demjenigen, in welchem sie mit dem klarsten
Wissen zum Angelpunkt eines Systems gemacht oder wenig
stens als mögliches Princip eines solchen erkannt wird, kann
es viele Zwischenformen geben. Wir rechnen nun den Hume-
schen Gebrauch jener ersteren Idee zu der angedeuteten mitt
leren Gattung, da sich einerseits nicht bestreiten lässt, dass
jener Satz in den Ueberlegungen des Denkers eine Rollo ge
spielt habe, andererseits aber auch zugegeben werden muss,
dass diese Rolle nicht von der Art gewesen sei, wie sie einem
strengen Axiom oder Princip zukommt. Freilich haben wir
hier nicht mehr jene früher charakterisirte Lockesclio Unbe
stimmtheit der Fassung des betreffenden Gedankens vor uns,
die der logischen Gonsequenz ganz sichtbar ermangelte; wohl
aber fehlt es auch hier an dom für die Schöpfung der strengen
wissenschaftlichen Form unentbehrlichen Entschluss, den Ge-