— 448 —
Entgelt für angebliche Dienste auf betrügerische Weise
selbst Obligationen zu. Gleichzeitig mit diesen Veruntreu-
ıngen machten sie sich ruhig daran, die kleinen Besitzer
von Obligationen und Aktien zu betrügen und die Gläu-
biger zu rupfen, die ihnen die notwendigen Vorräte und
Ausrüstungsgegenstände lieferten.
Bis zum Bankrott ausgeraubt
Die Diebstähle wurden mit so flinker Geschäftigkeit aus-
zeführt, daß ungefähr ein Jahr, nachdem die Gesellschaft
ihre Privilegien erhalten hatte, ihre Schatzkammer ein
leerer Raum geworden war. und die Eisenbahn in Konkurs
geriet und im Jahre 1858 zwangsweise verkauft wurde. Wer
kaufte sie zurück? Dieselben Leute, die sie ausgeplündert
hatten; als Vorsitzende der Baukommission hatten sie
Sorge getragen, sich mit genügenden Obligationen auszu-
rüsten, um die rechtliche Stellung der Hauptgläubiger
einzunehmen. Einige von ihnen, wie z. B. Sage, ar-
beiteten meistens mit Strohmännern, andere zeigten sich
öffentlich. Sie konnten darüber klagen — und taten es
auch —, daß der Konkurs der Gesellschaft durch die Schwie-
rigkeit veranlaßt sei, während der Panik des Jahres 1857
Geld aufzubringen; aber dies war eine nichtssagende, wenn
auch glaubwürdig klingende Entschuldigung.
Bald darauf kam es zu einer eigenartigen Entwicklung.
Sie sorgten dafür, daß die Eisenbahngesellschaft mit zwei
neuen Namen ausgestattet wurde. Auf Grund einer durch
die gesetzgebenden Körperschaften von Minnesota durch-
geschlüpften Vorlage wurde die Minnesota- und Pacific-
Eisenbahngesellschaft in zwei Abteilungen neu gebildet,
von denen die eine St. Paul- und Pacific-, die andere die
Erste Abteilung der St. Paul und Pacific-Eisenbahngesell-
schaft genannt wurde.
Warum diese beiden Namen für ein einziges Eisenbahn-
projekt? Warum diese verwirrende Einrichtung? Der
Grund wurde etwas später klar. Es war ein geschickter
Kunstgriff, sich in einer starken gesetzlichen Lage zu
verschanzen, um die Bahn noch weiter auszuplündern und