Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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der Geldmenge, ehe sich das oben erwähnte Gleichgewicht 
hergestellt hat, den Zinsluss zu beeinflussen vermöge. Man 
sieht also, dass ein Humo umsichtiger dachte, als diejenigen, 
welche sich später auf ihn beriefen, um ihre Einseitigkeiten 
oder Ideologien zu unterstützen. Ueberhaupt ist man in der 
Würdigung Humes meist sehr befangen verfahren, und hat 
ihm Ideen unterlegt, die er gar nicht hegte. So hinderten ihn 
seine allerdings nur in einer einzigen Richtung zutreflenden Vor 
stellungen von der Handelseifersucht durchaus nicht, im aus 
drücklichen Gegensatz zu den Wirkungen der letzteren, z. B. 
der Ausfuhrverbote, einen günstigen Einfluss der eigentlichen 
Schutzzölle bemerklich zu machen. „Eine Steuer auf Deutsches 
Leinen”, sagt er in der Abhandlung über die Handelsbilanz, 
„befördert die einheimischen Manufacturen und vermehrt hie 
durch unsere Bevölkerung und Industrie.” 
Es würde überflüssig sein, noch weiter auf Einzelheiten 
und namentlich auf Irrthümer einzugehen. Jedoch wollen wir 
nicht unterlassen, im Hinblick auf einige neuerdings streitig 
gewordene Theorien zu bemerken, dass Hume von dem Yor- 
urtheil frei war, als wenn mit der Fruchtbarkeit des Bodens 
auch stets die Vorbedingungen der Entwicklung des Reichthums 
gegeben wären. Er bekennt sich sogar zu der entgegengesetzten 
Ansicht, indem er sagt: „Es mag als eine befremdliche Behaup 
tung erscheinen, dass die Armuth des gemeinen Volks in Frank 
reich, Italien und Spanien einigermaasen den höheren Reich- 
thümern des Bodens und dem glücklichen Klima zuzuschreiben 
sei.” Diese Idee, für deren Urheber er sich nicht einmal aus- 
giebt, und die sich schon ziemlich früh nachweisen lässt, ist in 
jüngster Zeit von Buckle auf die gesammte Geschichte der 
Civilisation angewendet worden. Doch würde es hier zu weit 
führen, die sehr verschiedenen Verzweigungen dieses Gedankens 
nach Maassgabe der von einander abweichenden volkswirth- 
«chaftliclien Systeme zu verfolgen. 
In der Abhandlung über die antike Bevölkerung herrscht 
die ältere gesunde Ansicht von der Förderlichkeit der Volks 
vermehrung so entschieden vor, dass man diese vor den Mal- 
thusischen Einflüssen überall maassgebende Denkungsart grade 
bei dem eminenten Denker auszuzeichnen einige Veranlassung 
hat. Es zieme sich, sagt er, für einen weisen Gesetzgeber, die 
Hindernisse der Fortpflanzung sorgfältig zu beachten und zu 
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