Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

131

der  Geldmenge,  ehe  sich  das  oben  erwähnte  Gleichgewicht
hergestellt  hat,  den  Zinsluss  zu  beeinflussen  vermöge.  Man
sieht  also,  dass  ein  Humo  umsichtiger  dachte,  als  diejenigen,
welche  sich  später  auf  ihn  beriefen,  um  ihre  Einseitigkeiten
oder  Ideologien  zu  unterstützen.  Ueberhaupt  ist  man  in  der
Würdigung  Humes  meist  sehr  befangen  verfahren,  und  hat
ihm  Ideen  unterlegt,  die  er  gar  nicht  hegte.  So  hinderten  ihn
seine  allerdings  nur  in  einer  einzigen  Richtung  zutreflenden  Vorstellungen ­
  von  der  Handelseifersucht  durchaus  nicht,  im  ausdrücklichen ­
  Gegensatz  zu  den  Wirkungen  der  letzteren,  z.  B.
der  Ausfuhrverbote,  einen  günstigen  Einfluss  der  eigentlichen
Schutzzölle  bemerklich  zu  machen.  „Eine  Steuer  auf  Deutsches
Leinen”,  sagt  er  in  der  Abhandlung  über  die  Handelsbilanz,
„befördert  die  einheimischen  Manufacturen  und  vermehrt  hiedurch ­
  unsere  Bevölkerung  und  Industrie.”
Es  würde  überflüssig  sein,  noch  weiter  auf  Einzelheiten
und  namentlich  auf  Irrthümer  einzugehen.  Jedoch  wollen  wir
nicht  unterlassen,  im  Hinblick  auf  einige  neuerdings  streitig
gewordene  Theorien  zu  bemerken,  dass  Hume  von  dem  Yorurtheil
  frei  war,  als  wenn  mit  der  Fruchtbarkeit  des  Bodens
auch  stets  die  Vorbedingungen  der  Entwicklung  des  Reichthums
gegeben  wären.  Er  bekennt  sich  sogar  zu  der  entgegengesetzten
Ansicht,  indem  er  sagt:  „Es  mag  als  eine  befremdliche  Behauptung ­
  erscheinen,  dass  die  Armuth  des  gemeinen  Volks  in  Frankreich, ­
  Italien  und  Spanien  einigermaasen  den  höheren  Reichthümern
  des  Bodens  und  dem  glücklichen  Klima  zuzuschreiben
sei.”  Diese  Idee,  für  deren  Urheber  er  sich  nicht  einmal  ausgiebt,
  und  die  sich  schon  ziemlich  früh  nachweisen  lässt,  ist  in
jüngster  Zeit  von  Buckle  auf  die  gesammte  Geschichte  der
Civilisation  angewendet  worden.  Doch  würde  es  hier  zu  weit
führen,  die  sehr  verschiedenen  Verzweigungen  dieses  Gedankens
nach  Maassgabe  der  von  einander  abweichenden  volkswirth-«chaftliclien
  Systeme  zu  verfolgen.
In  der  Abhandlung  über  die  antike  Bevölkerung  herrscht
die  ältere  gesunde  Ansicht  von  der  Förderlichkeit  der  Volksvermehrung ­
  so  entschieden  vor,  dass  man  diese  vor  den  Malthusischen
  Einflüssen  überall  maassgebende  Denkungsart  grade
bei  dem  eminenten  Denker  auszuzeichnen  einige  Veranlassung
hat.  Es  zieme  sich,  sagt  er,  für  einen  weisen  Gesetzgeber,  die
Hindernisse  der  Fortpflanzung  sorgfältig  zu  beachten  und  zu
9*
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.