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und Wollene sich aus individuellen Systemen zusammensetzt,
80 haben die Persönlichkeiten, welche Träger dieser Systeme
sind, auch in ihrer besondern Physionomie eine Bedeutung.
Man darf daher ihre Biographie nicht als eine äusserliche Bei
gabe betrachten, die auch unbeschadet des Verständnisses der
Systemeigcnthümlichkeiten fehlen könnte. Man wird vielmehr
wohl daran thun, in den Lebenszügen der im Verfehlten oder
Gelungenen originalen und auf die Menschheit einflussreichen
Bearbeiter der Oekonomie einen ähnlichen Standpunkt einzu
nehmen, als wenn es sich um eigentliche Philosophie handelte.
Die Denkweise, wie sie sich in den Thaten des Einzellebens
ausdrückt, wird daher keineswegs gleichgültig bleiben können.
Alles Aufkeimen von Gedanken und sogar alle neuen wis
senschaftlichen Auffindungen gehören einer einzigen umfassen-
^ den Gesetzmässigkeit an, und nichts, was in eines Menschen
' Kopfe zu Stande kommt, darf in Rücksicht auf gesetzmässige
Noth Wendigkeit so angesehen werden, als wenn es wenio-er
bedingt, bestimmt und der Wissenschaft unterworfen wäre, als
irgend ein anderer Natur Vorgang. Auch die genialsten Pro-
ductionen können von dieser alles beherrschenden Gesetzmässig-
^it keine Ausnahme machen, und es hiesse zum Zauber- und
Wunderglauben zurückkehren, wenn man einem wissenschaft
lichen Heroencultus und der zugehörigen Romantik im Wider
spruch mit der allgemeinen Bedingtheit aller Gedankenregun
gen und Gedankenergebnisse auch nur das geringste Zuge-
ständiiiss machen wollte. Der Protest gegen den falschen,
mystisch romantischen oder wenigstens ungehörig autoritären
Cultus des Genies ist aber sehr wohl mit der Anerkennung
der Wahrheit verträglich, dass es weit mehr die von Innen
bedingte Gesetzmässigkeit glücklich beanlagter Köpfe, als die
äusseren Umstände gewesen sind und sein werden, wodurch
Bich die grossen Fortschritte der Wissenschaft vollzogen fin
den. Es kommt daher in der Wissenschaft weniger auf die
jenigen an, welche von der Epoche gemacht werden, als auf
die, welche die Epoche machen. Die Productivität hört in die
sem eminent persönlichen Sinne da auf, wo das Product be
ginnt. Für die Wirthschaftslehre liefert dieses Rangverhält-
mss, durch welches die Naturen erster Ordnung von den Pfle
gern gewöhnlicher und naheliegender Vorstellungen deutlich
gesondert werden, einen noch wenig gebrauchten Maassstab der
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