Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

einmal ein Lehrbuch waren, ist auch noch eine scholastische 
Schrift „Definitionen in der politischen Oekonomie” zu erwäh 
nen, sowie daran zu erinnern, dass die „Untersuchung über die 
Natur der Rente” 1815, also zwei Jahre vor dem Ricardoschen 
Hauptwerk veröffentlicht und in dem letzteren in Bezug genom 
men wurde. Man wird vielleicht fragen, wie es zugegangen 
sei, dass die Bevölkerungsschrift soviel von sich reden gemacht 
habe, während durch alles üebrigo das Publicum sich nicht 
sonderlich angeregt fand. Die einzige Antwort hierauf ist die, 
dass die nächste Wirkung des Malthusschen Bevölkeruugs- oder 
vielmehr Entvölkerungshuchs auf einer Art von Kitzel beruhte 
und dem Skandal, den es repräsentirte, weit mehr als einer 
beifälligen Anhängerschaft zuzuschreiben war. Doch darf auch 
nicht vergessen werden, dass die in der Englischen Gesellschaft 
so stark vertretene Bigotterie dem geistlichen Verfasser einer 
Schrift zu statten kommen musste, in der sich die bekannte 
Mischung pricsterlichcr Empfindungen und des zugehörigen 
pikanten Gegenstandes so glatt vereinbart und mit der be 
schränkten Privatmoral als Bcschönigungsmittcl so stark ver 
setzt fand. Der Reverend konnte auf willige Aufmerksamkeit 
rechnen, wo er demjenigen Theil des Publicums nahegerückt 
wurde, der überhaupt an den Manieren seiner Denkweise Ge 
schmack fand und geneigt war, die Belehrung durch einen 
Geistlichen gelten zu lassen. 
3. Es ist ziemlich schwer, die unbestimmten, gleichsam 
charakterlosen Gedanken klar und in festen Umrissen darzu 
stellen. Man muss, um dies zu können, die genauen Ausdrücke, 
die man selbst braucht, hinterher wieder ein schränk en. Nur 
auf diese Weise wird es möglich sein, von der Malthusschcn 
Meinung über die Menschen Vermehrung, soweit dabei ein theo 
retisches Gesetz herauskommen soll, eine zutreffende Idee zu 
geben. Zunächst wird davon ausgegaugen, dass die Menschen 
das Bestreben haben, sich ins Unendliche zu vervielfältigen. 
Diese Tendenz wird durch das Bild einer geometrischen Reihe 
ausgedrückt, d. h. in gleichen Zeitabschnitten würde sich die 
Bevölkerung, wenn sie blos ihrer eignen Eruchtbarkeit folgte, 
verdoppeln, vervierfachen, verachtfachen, versechzehnfäclicn 
u. s. w. Daneben sollen nun die Nahrungsmittel im aller- 
günstigsten Fall in einer arithmetischen Reihe zunehmen, d. h. 
in jedem Zeitabschnitt einen gleichen Zuschuss erhalten oder.
	        
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