18*
195
dass (1er erstero ungleich roher verfahren war und für das
Smithsche System weit weniger Yerständniss gezeigt hatte.
In der Person Ricardos haben wir es wenigstens mit einem
Verstände zu thun, der im Hinblick auf das von Adam Smith
Geleistete zugespitzto Gonsequenzen gezogen und grade durch
seine Irrthümer die Schwierigkeiten der Vereinigung wider-
streitender Vorstellungen fühlbar gemacht hat. Letzteres möchte
auch jetzt noch das Hauptergebniss sein, welches in systema
tischer Beziehung aus einer Einlassung mit Ricardos Arbeiten
erzielt werden kann. Ein sonderlich anderer Nutzen erheblicher
Art ist nicht abzusehen, wenn man nicht etwa die Schulung
durch ein gewisses Maass zergliedernden Unterscheidungsver
mögens zu hoch veranschlagen will.
David Ricardo (1772—1823) aus London, Sohn eines Hol
ländischen Juden, erhielt eine blos kaufmännische Schulbildung
und folgte dem Beruf seines Vaters an der Stockbörse. Mit
dem letzteren zerfiel er durch seinen Uebertritt zur herrschen
den Kirche. Schon im 14. Jahr war er zu Börsengeschäften
gebraucht worden, und es gelang ihm nun auch, trotz des Zer
würfnisses mit seinem reichen Vater, selbständig zu einem
grossen Vermögen zu gelangen. Mit dem 25. Jahr war er
mit einer christlichen Dame verheirathet und bereits im Besitz
beträchtlicher Einkünfte. Von seiner Speculationslaufbahn zur
Millionärschaft ist schon früher Erwähnung geschehen. Er
soll ein Vermögen im Wertho von mehr als Millionen
Thalern hinterlassen haben. Denen, die ihn fragten, nach
Welchem Priucip man zu solchem Reichthum gelange, soll er
geantwortet haben; kaufet, wenn euch angeboten wird, und ver
kaufet, wenn nachgefragt wird. Auf wissenschaftliche National
ökonomie gerioth er 1799, also 27 Jahr alt, durch ein rein zu
fälliges Bekannt werden mit dem Smithschen Werk. An gelehrter
oder gar classischer Bildung fehlte es ihm in Folge seiner
Erzicliung gänzlich. Indessen hat er sich später durch einige
naturwissenschaftliche Liebhabereien und, wie es nach den
Berichten scheint, auch bisweilen durch Studien dieser Richtung
zu fördern gesucht. Auch mag ihm der Mangel der gelehrten
Verschulung, die immer erst überwunden sein will, mehr
genützt haben, als ihm die gleichzeitige Abwesenheit der
bessern Elemente des gelehrten und classischen Unterrmhts
etwa geschadet hat.