Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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dass (1er erstero ungleich roher verfahren war und für das 
Smithsche System weit weniger Yerständniss gezeigt hatte. 
In der Person Ricardos haben wir es wenigstens mit einem 
Verstände zu thun, der im Hinblick auf das von Adam Smith 
Geleistete zugespitzto Gonsequenzen gezogen und grade durch 
seine Irrthümer die Schwierigkeiten der Vereinigung wider- 
streitender Vorstellungen fühlbar gemacht hat. Letzteres möchte 
auch jetzt noch das Hauptergebniss sein, welches in systema 
tischer Beziehung aus einer Einlassung mit Ricardos Arbeiten 
erzielt werden kann. Ein sonderlich anderer Nutzen erheblicher 
Art ist nicht abzusehen, wenn man nicht etwa die Schulung 
durch ein gewisses Maass zergliedernden Unterscheidungsver 
mögens zu hoch veranschlagen will. 
David Ricardo (1772—1823) aus London, Sohn eines Hol 
ländischen Juden, erhielt eine blos kaufmännische Schulbildung 
und folgte dem Beruf seines Vaters an der Stockbörse. Mit 
dem letzteren zerfiel er durch seinen Uebertritt zur herrschen 
den Kirche. Schon im 14. Jahr war er zu Börsengeschäften 
gebraucht worden, und es gelang ihm nun auch, trotz des Zer 
würfnisses mit seinem reichen Vater, selbständig zu einem 
grossen Vermögen zu gelangen. Mit dem 25. Jahr war er 
mit einer christlichen Dame verheirathet und bereits im Besitz 
beträchtlicher Einkünfte. Von seiner Speculationslaufbahn zur 
Millionärschaft ist schon früher Erwähnung geschehen. Er 
soll ein Vermögen im Wertho von mehr als Millionen 
Thalern hinterlassen haben. Denen, die ihn fragten, nach 
Welchem Priucip man zu solchem Reichthum gelange, soll er 
geantwortet haben; kaufet, wenn euch angeboten wird, und ver 
kaufet, wenn nachgefragt wird. Auf wissenschaftliche National 
ökonomie gerioth er 1799, also 27 Jahr alt, durch ein rein zu 
fälliges Bekannt werden mit dem Smithschen Werk. An gelehrter 
oder gar classischer Bildung fehlte es ihm in Folge seiner 
Erzicliung gänzlich. Indessen hat er sich später durch einige 
naturwissenschaftliche Liebhabereien und, wie es nach den 
Berichten scheint, auch bisweilen durch Studien dieser Richtung 
zu fördern gesucht. Auch mag ihm der Mangel der gelehrten 
Verschulung, die immer erst überwunden sein will, mehr 
genützt haben, als ihm die gleichzeitige Abwesenheit der 
bessern Elemente des gelehrten und classischen Unterrmhts 
etwa geschadet hat.
	        
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