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FruchtbarkeitsdifFerenzeii hervorginge, noch nicht einmal aus
schliesslich die Grundrente im gewöhnlichen Sinne des Worts,
sondern auch den Arbeitslohn afficiren müssen. Bei Ricaido
liegt jedoch immer die verfehlte Idee zu Grunde, dass der
Arbeitslohn etwas wesentlich Constantes sein müsse. Bine ein
seitige Ausbildung der Smithschen Idee, dass die Arbeit der
Grund der Tauschwerthe sei, hatte den Autor der neuen Studie
veranlasst, mit der Arbeit in ihrer natürlichen, vom Lohnsatz
unabhängigen Gestalt, denken und gleichsam rechnen zu wollen,
was zu den grössten Verworrenheiten und Widersprüchen füh
ren musste. Eine weitere Einlassung auf diese besondern Grund
lagen der Ricardoschen Vorstellungen würde jedoch vergeblich
sein, da es unmöglich ist, einen aus lauter widersprechenden
Bestandtheilen zusammengesetzten und meist mit Fictionen
operirenden Gedankenkreis an irgend einem vereinzelten Punkt
durchgreifend kritisiren zu wollen. Dies Messe eine Conso-
quenz voraussetzen, die nicht vorhanden ist, und auch Ange
sichts der Ricardoschen Ausgangspunkte und der zugehörigen
Denkweise nicht vorhanden sein konnte.
In allen Arten von Einkünften, kann sich und muss sich
sogar unter bestimmten Umständen ein Bestandtheil finden, der
sichtbar genug keinen andern Charakter als den einer Besteue
rung oder vielmehr eines Tributs hat, vermöge dessen gewisse
Gesellschaftsgruppen und Gesellschaftsglieder andern Gruppen
und Gliedern etwas leisten müssen, wofür eine productive Ge
genleistung nicht nachgewiesen werden kann. Eines der be
kanntesten Beispiele dieser Gattung ist der Vortheil, der von
den Eigenthümern solchen Grund und Bodens gezogen wird,
der sich durch die Bevölkerungsfrequenz oder irgend eine an
dere Verkchrsursache in theure Baustellen verwa,ndelt. Hier
fällt dem Eigenthümer ein Vermögen in den Schooss und
wächst ihm eine Rente zu, die er ganz und gar seiner Verbm-
dung mit der Gesellschaft verdankt, und zu deren Hervorbrin
gung er höchstens indirect und zufälligerweise ein klein wenig
beigetragen haben könnte. Dies sind die Werth- und Ein-
künfteerhöhungen aus socialen Positionsvortheilen. Sie haben
mit den sogenannten „natürlichen und unzerstörlichen Kräften
des Bodens” nichts ökonomisch Wesentliches zu schaffen. Ihre
ganze Bedeutung beruht auf dem Verhältniss zu den umgeben
den Capitalschöpfungen. Denkt man an das Ackerland und