Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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■beirrten  Weltauffassung  bezeichnet  und  verlor  sich  in  Bestrebungen ­
  zur  Stiftung  einer  neuen  Religion.  Die  letztere  war
freilich  nicht  das  „Neue  Christenthum"  St.  Simons;  sie  schloss
eine  Gottes  Vorstellung,  eine  Wirkung  von  Geboten  u.  dgl.
grundsätzlich  aus.  Sie  wies  nicht  blos,  wie  es  St.  Simon
gethan  hatte,  alle  Theologie  von  sich,  sondern  verschmähte  es
auch  in  jeder  Beziehung,  auf  irgend  einen  Standpunkt  zurückzukommen,
  der  durch  die  rationelle  positive  Philosophie  der
ersten  Periode  des  Urhebers  überwunden  worden  wäre.  Nichtsdestoweniger ­
  lief  sie  auf  nichts  als  einen  bizarren  Ciiltus  hinaus ­
  und  war,  wenn  man  von  ihren  Wunderlichkeiten  absioht,
eine  Art  Ausführung  des  St.  Simonschen  Programms.  Im  tiefem
Grunde  war  sie  aber  dieselbe  Erscheinung,  die  sich  auch  bei
St.  Simon  leicht  erklärt.  Die  Affecte  der  Kindheit  lebten  im
Alter  wieder  auf;  die  Ermüdung  des  Lebens  und  der  Verstandeskräfte
  vorstattete  den  unlogischen  Antrieben  eine  Art  Nachsommer ­
  und  führte  auf  diese  Weise  dazu,  dass  sich  alle
Schwächen  dos  ursprünglichen  Standpunkts  jetzt  vollends  offenbarten. ­
  Wurden  auch  die  Errungenschaften  der  eigentlichen
Intelligenz  bei  beiden  Personen  nie  gänzlich  verdrängt,  so  war
doch  der  universelle  Affect,  dem  sie  am  Schluss  ihres  Lebens
verfielen,  von  einer  Gattung,  in  welcher  man,  aller  kritischen
Abstreifungen  und  Umwandlungen  ungeachtet,  den  angestammten
Katholicismus  deutlich  genug  wiedererkennt.  St.  Simon  und
Comte  gehören  in  dieser  Beziehung  zusammen,  und  da  eine
gewisse  Spielart  des  Socialismus  stets  die  Neigung  gehabt  hat,
sein  Gesellschaftsreich  mit  Hülfe  eines  religionsartigen  Kittes
aufzuführen,  so  war  die  Erinnerung  an  diese  Beziehungen  am
Platze.  Indem  wir  uns  bei  den  bessern  Erscheinungen  mit
dieser  Abirrung  bekannt  machen,  setzen  wir  uns  in  den  Stand,
die  gemeineren  Gestaltungen  der  Sache  künftig  mit  einem
einzigen  Fingerzeig  abzuthun.  Bei  St.  Simon  und  August  Comte
hatten  die  fraglichen  Bestrebungen  den  Charakter  des  Wohlmeinenden ­
  und  sogar  der  Aufopferung;  die  Schwäche,  die  sich
bei  ihnen  bekundete,  war  zwar  erst  im  späteren  Alter  auffallend
hervorgetreten,  aber  im  Keime  jederzeit  vorhanden.  Es  war
eine  Lücke  in  der  Welt-  und  Lebensauffassung  gewesen,  die
in  beiden  Fällen  ihre  Folgen  haben  und  auch  die  ganze  sociale
Auffassung  durch  die  Nebelhaftigkeiten  und  Trugbilder  einer
            
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