Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

260

Noch  mehr  zeigt  das  seiner  Verfallperiode  anphörige,  in
4  Bänden  1851—54  erschienene  „System  der  positiven  Politik”,
dass  die  vagen,  rein  religiös  gewordenen  Umrisse  von  wiikliclier
Politik  lind  Socialtheorie  fast  gar  nichts  aufznweisen  haben.
Alle  schwachen  Punkte  des  Hauptwerks  sind  in  dieser  letzten,
auf  einem  gemüthsartigen  Zerfliessen  der  Intelligenz  beruhenden ­
  Arbeit  zu  der  ihnen  eigenthümlichen  Consequenz  gelangt
und  werden  so  auch  für  denjenigen  greifbar,  der  die  Keime
derselben  in  den  frühesten  Conccptionen  etwa  ignorirt  hat.
Bei  der  grössten  Achtung  für  die  Leistungen  Comtes  in  anderer
Richtung  und  für  das  Leben,  welches  für  diese  Leistungen
eingesetzt  wurde,  kann  man  dennoch  nicht  umhin,  guide
die  als  social  bezeichneten  Untersuchungen  als  am  wenigsten
befriedigend  und  als  eine  Arbeit  anzusehen,  welche  für  die
Socialthcoric  nur  ein  Interesse  zweiter  Ordnung,  für  die
eigentlich  ökonomischen  Fragen  aber  so  gut  wie  gar  keine
Bedeutung  hat.  In  dieser  letzteren  Beziehung  bedarf  St.  Simons
Ueberlegenhcit  keines  näheren  Beweises.  Der  einzige  Umstand,
dass  er  den  Schwerpunkt  der  politischen  Gestaltungen  in  den
wirthschaftlichcn  Elementen  der  Gesellschaft  suchte,  ist  entscheidend. ­
  Uebrigens  werden  wir  aber  auch  sehen,  dass  die
jetzt  sehr  berühmten  Grundgedanken,  durch  deren  scharfe
Ausbildung  sich  der  Comtesche  Positivismus  hervorgethan  hat,
und  die  wir  übersichtlich  in  der  „Kritischen  Geschichte  der
Philosophie”  (2.  Aufl.  1873)  dargestellt  haben,  in  St.  Simons
Ideenkreis  tiefe  Wurzeln  hatten  und  nach  ihrer  politisch  ökonomischen ­
  Seite  bereits  von  ihm  selbst  ziemlich  gut  und  in
manchen  Beziehungen  sogar  besser,  als  von  seinem  Schüler,
formulirt  worden  waren.  Der  Lehrer  war  freilich  eine  mehr
imaginatorische  Natur  gewesen;  indessen  das  Verwiegen  der
Phantasie  deutet  auch  zugleich  auf  eine  Gattung  des  schöpferischen ­
  Geistesverhaltens,  wie  es  den  kühleren  Persönlichkeiten ­
  oder  vielmehr  dem  Zustande  eines  geringeren  Aufschwungs ­
  in  gewissen  Richtungen  nicht  eigen  sein  kann.
Ueberdies  vertrat  Comte  die  spätere  Generation  und  eine  bereicherte, ­
  gleichsam  mehr  gesetzte  wissenschaftliche  Erfahrung.
Trotzdem  kann  man  sich  durch  eine  vergleichende  Lectüre  davon ­
  überzeugen,  dass  da,  wo  die  Gegenstände  beider  hchrift-8
  teil  er  dieselben  sind,  die  ausgebreiteten  und  oft  viel  zu  langathmigeii
  Schematisirungen  eines  Comte  die  ungezwungenen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.