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Bevölkerung für die Rubrik des Nicbtindustriellen übrig blieben.
Vergessen wir ausserdem nicht, dass die Sorge für die grosse
Masse als die entscheidende Hauptrücksicht aller socialpoli-
schen Gestaltungen bezeichnet war. Aus solchen Voraussetzun
gen ergab sich für jedes ernstliche System, welches sich selbst
klar werden wollte, die Nöthigung, auf die Verwicklung der
geschichtlichen Rechtsstellungen, also z, B. der feudalen oder
halbfeudalen Position, mit der modernen wirthschaftlichen Bc-
rufsstellung, also etwa mit der Rolle und Vertretungsart der
Landwirthschaft, näher einzugehen. So etwas ist in erheblicher
Weise nicht geschehen, und die Ideen sind daher in jener Allge
meinheit verblieben, in welcher sie sich am wenigsten eignen,
zu der Wirklichkeit des politischen und socialen Lebens in un
mittelbare Beziehung zu treten. In dieser Hinsicht war also
die Socialpolitik 8t. Simons nicht positiv, und obwohl letzteres
Wort bei ihm schon den Sinn einer cigenthümlichen An
schauungsweise hat, so ist doch dieser Positivismus von der
Einlassung auf die ökonomischen Gestaltungsfactoren ferner
geblieben, als es sein eignes, besser verstandenes Princip mit
sich brachte. Fügt man noch hinzu, dass der scharfe Gegen
satz von Arbeit und Capital, der seit einem Menschenalter das
Hauptthema des Socialismus ist, noch gar nicht in seinen kreu
zenden Wirkungen erkannt wurde, so hat man die Schranken
bezeichnet, in welchen sich die leitende Idee St. Simons be
wegt, und in denen sie ihre allerdings originalen Schematisi-
rungen der socialen Geschichte ausgeführt hat.
Diese letzteren Verzeichnungen linden sich in den ersten
Partien des erwähnten Katechismus und den früheren Arbeiten.
Der erste Theil der Schrift „Vom industriellen System” (1821)
enthält in einer bessern Gestalt, als die Gesprächsform des
sogenannten Katechismus verstattet, ebenfalls die wesentlichen
Gedanken. Ja das weitere Zurückgreifen in den Schriften
St. Simons ist insofern nützlich, als man sich hiedurch von
dem Punkte entfernt, bei welchem die Gefühlsscbwächen poli
tisch und religiös ihren verderbenden Einñuss übten. Die
Schrift von 1821 ist jedoch noch entschieden genug gehalten,
soweit die später unter A. Comtes Händen nach der nicht-
wirthschaftlichen Seite ausgeführte und berühmt gewordene
Kennzeichnung der drei Entwicklungszustände in Frage kommt.
St. Simon geht davon aus, es könne nur zwei scharf unter-