Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

Geschichten  der  Theorie  treten.  Dies  alles  wird  um  so  eher
und  um  so  mehr  geschehen,  je  entschiedener  die  Täuschung
beseitigt  wird,  als  wenn  gemeine  Vorstellungen  über  wirthschaftliche
  Thatsachen  und  Vorgänge  schon  wissenschaftliche
Theorien  wären.
3.  Soll  durchaus  ein  Satz  über  das  Alter  unseres  Wissensgebiets ­
  in  einer  Weise  ausgesprochen  werden,  die  von  der  am
Anfang  unseres  Jahrhunderts  herrschenden  Vorstellung  abweicht, ­
  so  kann  man  getrost  sagen,  dass  die  Nationalökonomie
als  Wissenschaft  jünger  sei,  als  man  gewöhnlich  annimmt.  Es
ist  also  nicht  die  oben  berichtete  Bemerkung,  sondern  eher
deren  Umkehrung  am  Platze.  Diejenigen,  welche  das  Schema
von  den  drei  Systemen  (Mercantilismos,  Physiokratie  und  Industriesystem) ­
  zum  Ausgangspunkt  nahmen,  hatten  bezüglich
der  eigentlichen  Theorie  bereits  zu  viel  gethan.  Das  physiokratische
  System  ist  allenfalls  als  ein  phantasiemässiger  Versuch ­
  zu  betrachten;  aber  schliesslich  werden  Diejenigen  Recht
behalten,  welche  die  ernstlichere  Constituirung  der  Wissenschaft ­
  von  Hume  und  Adam  Smith  datiren.  Doch  wir  wollen
hier  der  besondern  Darstellung  noch  nicht  vorgreifen.  Der
Gedanke,  auf  den  es  an  dieser  Stelle  ankommt,  bezieht  sich
nicht  auf  die  Stufenleiter  der  verschiedenen  Anschauungsweisen,
sondern  richtet  sich  ganz  allgemein  auf  den  Gegensatz  des  Wissenschaftlichen ­
  und  des  fast  zu  jeder  Zeit  allgemein  Zugänglichen. ­

Gesetzt  nun,  es  stände  Jemand  noch  heute  ausschliesslich
äuf  dem  Standpunkt  der  Smithschen  Oekonomie,  so  würde
selbst  dieser  noch  unentwickelte  Kreis  von  Einsichten  die  Vermengung ­
  und  Verwechselung  mit  jeder  beliebigen  Reflexion
verbieten.  Wer  sich  also  auch  nur  die  Hauptsätze  dieses  wirthschaftlichen
  Gedankenkreises  gehörig  zu  eigen  gemacht  hätte,
würde  darauf  verzichten  müssen,  die  Geschichte  der  Wirthschaftslehro
  im  Alterthum  suchen  oder  gar  durch  mittelalterliche ­
  Früchte  der  theologischen  Scholastik  decoriren  zu  wollen.
Nehmen  wir  dagegen  an,  dass  Jemand  für  strengere  wissenschaftliche ­
  Begriffe  und  für  einen  rationellen  Zusammenhang
derselben  so  wenig  Sinn  hätte,  dass  ihm  nicht  einmal  die  Lehren ­
  Adam  Smiths  verständlich  wären,  so  würde  eine  solche
Capacität  allerdings  dazu  angethau  sein,  das  Behältniss  für  die
zusammengewürfelten  Abfälle  aller  Zeiten  abzugeben.  In  einem
            
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