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Schaft erscheint, die zugleich einem methodisch guten Bestreben
entsprungen ist. Unser Nationalökonom hat nämlich einen
hochwichtigen methodischen Zug des modernen wirthschaftlichen
Denkens vertreten, der in gleich ausgeprägter Gestalt
sonst nirgend vorkommt und als eine der unerlässlichen Vorbedingungen
des streng wissenschaftlichen Verhaltens betrachtet
werden muss. Er hat die Einkleidung noth wendiger Abstractionen
in das Gewand erdichteter Zustände, also eine
schematische Constructioil der einfachen ökonomischen Verhältnisse
zum Princip und zur bewussten Denk- und Untersuchungsform
gemacht. Man erkennt hierin die Aehnlichkeit
mit dem Verhalten des Mathematikers, und cs kann überhaupt
eine höhere, in die Gründe eindringendo Wissonsgattung gar
nicht geben, wo auf Sonderungen dieser Art verzichtet wird.
In dieser Hinsicht ist daher Thünen für die Methodik des
volkswirthschaftlichen Denkens nicht gleichgültig, sondern vertritt
sogar typisch eine in ihrem Korne unumgängliche Gestaltung
des untersuchenden Verhaltens. Er wird uns daher
nicht blos des materiellen Satzes wegen, den man ihm zuschreibt,
sondern auch im Hinblick auf die Art und Weise beschäftigen,
wie die volkswirthschaftlichen Wahrheiten zu Tage gefördert
und streng bewiesen worden können. Da jedoch die Physionomie
der Thünenschen Leistungen mehr als gewöhnlich mit
den Lebeusverhältnissen und der Umgebung der Person gemein
hat, so können wir einige biographische Züge nicht umgehen.
Für den allgemeinen Gang der Geschichte unseres Wissenszweiges
sei jedoch bemerkt, dass mit Thünen auch in Deutschland
die erste eigenthümlichc Wendung der Wirthschaftslehro
diejenige gewesen ist, welcher die Betrachtung des Ackerbaus
zum Ausgangspunkt diente.
2. Heinrich v. Thünen (1783—1850) aus dem Jeverlande,
Sohn eines Gutsbesitzers und später selbst Eigenthürncr der
durch seine Arbeiten berühmt gewordenen Wirthschaft Tellow
(im Mecklenburgischen, 5 Meilen von Rostock), wurde zuerst
in ziemlich roher Weise praktisch für die Landwirthschaft ausgebildet,
gelangte aber in der uns hier iutcressirenden Hauptsache
durch Denken und Selbstbelehrung schon sehr früh zu
seiner Grundanschaimng. Seine allgemeine wissenschaftliche
Bildung verdankte er zum allergrössten Theil seinem spätem
Autodidaktenthum. Ein paar Semester in Göttingen haben daran