62
II. HÄUPTTEIL.
in gewissem Sinn als Einwanderer erscheinen. Ihre Exi
stenz haben diese Männer nicht durch den Verlust Elsaß-
Lothringens verloren, sondern durch unsern Zusammen
bruch, dem auch unser Heer zum Opfer fiel. Ihre Neu
eingliederung in unseren Wirtschaftskörper fällt unter
das Problem der Auflösung unseres Heeres.
Anders liegen die Verhältnisse bei den Beamten. Die
Landesbeamten, die Gemeindebeamten und die Lehrer
hatten Lebensstellungen gefunden, die in engster Ver
bindung mit dem elsaß-lothringischen Lande standen. Nicht
anders war es bei den Eisenbahn- und Postbeamten bzw..
Arbeitern. Wir hatten nur in Elsaß-Lothringen ßeichs-
eisenbahnen vor dem Kriege. An eine Versetzung nach
außerhalb Elsaß-Lothringens war außer in wenigen Fällen
bei den höheren Beamten hinsichtlich der Eisenbahnbeamten
bzw. Arbeiter nicht zu denken, und bei der ßeichspost
wurde außer bei den höheren Beamten eine Versetzung von
und nach dem ßeichsland nur selten durchgeführt. Es
geht nicht an, zu behaupten, die Beamten, die Elsaß-
Lothringen verlassen mußten, seien nicht Vertriebene, sie
hätten nur eine gewaltsame Versetzung erlitten. Nein,
diese Menschen waren in Elsaß-Lothringen voll und ganz
beheimatet. Ihrer inneren Einstellung nach sind sie unter
die Vertriebenen zu rechnen. Das müssen wir anerkennen,
auch wenn wir später feststellen, daß sie im Vergleich zu
den freien Berufen und den gewerblichen, industriellen
und landwirtschaftlichen Erwerbstätigen große Vorteile in
ihrem Weiterkommen haben. Und während die aktiven
Heeresangehörigen selbstverständlich mit ihren Truppen
teilen das Keichsland bei Besetzung durch den Feind ver
lassen mußten, lagen auch hier die Dinge anders für die
Beamten. Sie blieben auf ihrem Posten, ihre Übernahme
durch den französischen Staat konnte angenommen werden.
Die letzten Ausführungen scheinen nicht hierher zu
gehören. Wir wollen Ja an Hand der Statistik über Beruf
und Gebürtigkeit feststellen, welchen Berufen die Alt
deutschen in Elsaß-Lothringen angehörten. Aber wir muß
ten uns klar machen, daß das Militär aus unserer Be-