Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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würde  die  Entscheidung  keinen  Augenblick  schwanken  können.
Hiezu  kommt  noch,  dass  ein  Stuart  Mill,  wenn  auch  nicht  eine
durchgreifend  moderne  und  consequente  Weltanschauung,  so
doch  wenigstens  keine  Ansichten  vertritt,  die  dem  Bigottismus
oder  auch  nur  Mysticismus  absichtlich  Vorschub  leisteten.  In
dieser  Hinsicht  hat  er  sogar  sein  Malthussches  Dogma  von'allen
Bestandtheilen  gesäubert,  mit  denen  es  der  anglicanischo  Verkünder ­
  versetzt  hatte.  Ja  sogar  die  zugehörige  arbeiterfeindliche ­
  Gesinnung  soll  abgestreift  sein;  denn  wie  komisch  es  sich
auch  ausnehmen  mag,  so  hat  unser  Logiker  und  Nationalökonom ­
  den  Malthusschen  Glaubensartikel  grade  für  diejenigen
nutzbar  zu  machen  versucht,  gegen  welche  er  eigentlich  gerichtet ­
  ist.  Er  hat  das  Malthussche  Gelegenhcits-  und  Verlegenheitsrecept,
  nach  welchem  die  Arbeiter  ihre  Zahl  beschränken ­
  sollten,  wenn  sie  höhere  Löhne  zu  haben  wünschten,  ganz
ehrsam  in  einen  aufrichtigen  guten  Rath  verwandelt.  Hienach
gipfelt  Mills  Socialpolitik  mit  ihren  sympathischen  Affectionen
für  die  Arbeiter  in  der  Erklärung,  dass  nur  der  eigne  Entschluss ­
  der  Arbeiter,  die  Vermehrung  ihres  Nachwuchses  durch
Beschränkung  der  Ehen  und  der  Kinderzahl  einzudämmen,  zu
einer  besseren  Lage  führen  könne.  Es  ist  also  das  Einschnürungssystem
  als  ein  Bedürfniss  und  Interesse  der  arbeitenden
Classe  dargestellt  und  auch  wirklich  aufgefasst,  während  es
sich  bei  Malthus  als  Angelegenheit  der  andern  Gesellschaftsclassen
  charakterisirte  und  auf  der  Feindschaft  gegen  das  Proletariat ­
  beruhte.  Mill  muthet  den  proletarischen  Arbeitern  zu,
ihre  Proles  niederzuhalten,  und  so  wenig  wir  auch  Ursache
haben,  die  Wohlgemeintheit  dieses  seltsamen  philosophischen
Zuspruchs  anzuzweifeln,  so  liegt  doch  klar  zu  Tage,  dass  die
Befolgung  dieser  Vorschrift  nicht  etwa  nur  die  natürliche  Gestaltung ­
  guter  Sitten  untergraben,  sondern  auch  die  Kraft  des
Proletariats,  dessen  wachsende  Bedeutung  auf  der  steigenden
Zahl  seiner  Köpfe  beruht,  an  der  Wurzel  angreifen  würde.
Eine  solche  Einschnürung  müsste  den  menschcnvertrcibcndcn
und  Schaafe  an  deren  Stelle  setzenden  Consolidationen  des
Grundbesitzes,  sowie  den  ähnlichen  Vorgängen  im  Reich  der
Maschinen  und  des  Capitals,  ungeachtet  der  ein  wenig  steigenden ­
  Löhne,  zunächst  ganz  genehm  sein.  Man  würde  die
Menschenlast  loswerden,  die  Bevölkerung  nach  der  ökonomischen ­
  Verfassung  zustutzen  und  nicht  in  die  Lago  kommen,
            
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