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auch häufig ausfallen möge, so würde sie doch Angesichts der
au Deutschem Boden bewerkstelligten Schulung in den reinen
egriffen der classischou Römischen Juristen nicht standhalten,
vermögen es nicht als strenge Wissenschaft und haltbare
Denkweise anzuerkennen, wenn der Begriflf Eigenthum anders
als unmittelbar von einem materiellen Gegenstand und daher
in der vagen Art des Englischen property gebraucht wird. Auf
Eintheilungen des Eigenthums in dieser fehlgreifenden Rich
tung beruht aber ein grosser Theil der Macleodschen Ockono-
mie und Creditlehre.
Eine gewisse Launenhaftigkeit ist diesem scholastischen
Standpunkt, der sich halb in der Sphäre der Universitäten be
wegt und dennoch nicht recht mit ihrer ganzen Rückläufigkeit
harmonirt, auch da unverkennbar eigen, wo er sich selbst histo
risch zu construiren und seltsame Vorgänger aufzutreibon sucht.
Höchst sonderbarerweise werden Condillac und Beccaria zu
Grössen aufgetrieben, durch welche Adam Smith verdunkelt
weiden soll. Ich habe die betreffenden Schriften speciell unter
sucht und nur gefunden, dass die Hineindichtung hier ebenso
sehr eine Bizarrerie ist, wie die naive Annahme Macleods, dass
die in Frage kommenden Theorien wirklich als mit denen
Adam Smiths gleichzeitig erkennbar wären. Der auch in der
Philosophie, wo er allein erwähnt zu werden verdient, trocken
schulmässige, langweilige und oberflächliche Condillac, der mit
seinem bornirten und platten Sensualismus zu dem originalen
und geistig regsamen Materialismus eines Lamettrie im be
schämendsten Contrast steht, — dieser scholastische Verwäs-
serer Lockes hat mit seinen Plattitüden über den Handel und
seinen Verkehrtheiten über den Werth höchstens den Anspruch
ads perrohologisohes Behipkd für die ITerinaingeri der gemeinen
Reflexion über politisch ökonomische Gegenstände zu figuriren.
Was aber den muthlosen Philanthropen Beccaria anbetrifft, so
ist seine nachgelassene, erst 1804 veröffentlichte, so zu sagen
volkswirthschaftliche Schrift die Frucht eines Professoramts,
an der man nur wenig Eigenthümlichkeit oder moderne Hai- '
tung wahrnimmt, und um deren Willen man sicherlich nicht
danach zu forschen braucht, ob der darin enthaltene Cursus mit
Adam Smiths Gedanken gleichzeitig zu Stande gekommen sei
0 er nicht. Macleods Seltsamkeit in der Hervorsuchung und
Beleuchtung solcher Antecedentien erklärt sich zum Theil aus