Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

477 
heutigen Gesellschaft noch zur Sprengung desselben, in Angriff 
nehmen. Um es mit einem Wort zu sagen, so ist in dem 
Blancschen Socialismus noch zu viel Poesie auf verschwommen 
pantheistischem Hintergründe und zu wenig rein wissenschaft 
liche Betrachtungsart enthalten. Mit den Affecten und An 
trieben kann man sympathisiren und dennoch die specielle 
Ideengestaltung, in welcher sich diese Affecte zu befriedigen 
gesucht haben, in den meisten Bostandtheilen unhaltbar finden. 
Hiebei bleibt natürlich neben der allgemeinen positiven Ver 
tretung der bessern Antriebe auch das negative Verdienst einer 
Bioslegung der Schäden und der Corruptionselemente der Zu 
stände ungeschmälert bestehen. In dieser Richtung sind die 
theoretischen Leistungen Louis Blancs weit natürlicher ausge 
fallen, als die durch eine philosophische Caricatur verunstal 
teten und eine bizarre Affectation athmenden Reflexionen eines 
Proudhon. 
6. Während Louis Blanc als eine Persönlichkeit dasteht, 
die sich positiv zu genügen suchte und bei aller Regsamkeit 
der Phantasie doch in der allgemeinen Denkungsart die natür 
liche Gemeinschaft der verstandesmässigen Mittheilungsform 
nicht aufgab, haben wir in Proudhon ein Phänomen vor uns, 
dem es viel mehr um ein absonderliches Blinken als um die 
Ausstrahlung eines ruhigen, die Gegenstände in ihren richtigen 
Verhältnissen zeigenden Lichtes zu thun war. Das chaotische 
Funkenstieben einer vom Wege abgekommenen Imagination, 
die nur zu einem Zehntel ihrer bessern Natur und ihren ge 
sunden Anschauungen, zu neun Zehnteln aber einer philoso 
phastrischen Illusion und dem leichtfertigen Hange zur unge 
diegenen, aber kinderhaft bunten Begriffsspielerei folgte, — 
dieses Reiben und Schlagen an allem Möglichen und diese 
Zerfahrenheit des Vorstellungslaufs, bei welcher keine gesunde 
Logik aufzukommen vermag, ist das Charakteristische aller 
Proudhonschen Schriften von der ersten bis zur letzten. Jedoch 
geht in moralischer Hinsicht ein besserer Zug durch dieselben 
hindurch, der uns ein wenig mit den sonstigen, keineswegs 
charaktervollen Allüren einer theoretischen Scheindialektik aus 
söhnen kann und dies noch mehr thun würde, wenn nicht auch 
er unter der halb unwillkürlichen, halb bewussten, zum Theil 
auf Selbsttäuschung beruhenden, zum Theil aber auf die Täu 
schung Anderer abzielenden Sophistik gelitten hätte. Dieser
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.