Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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tere auch für den Betrieb der wohlbegrttndetsten und politisch 
oder religiös an sich indifferentesten Wissenschaften haben muss. 
Das 19. Jahrhundert ist grade in diesem Punkte eine grosse 
Lehre; denn die Fortschritte sind nicht durch diese Verhält 
nisse, sondern trotz derselben gemacht worden, und daneben 
haben sich namentlich in der Mathematik sehr viele Rück 
läufigkeiten, wüste speculative Luxusverirrungen und arge 
Stauungen sowie Verluste früherer besserer Anschauungswei 
sen produciren können. Letztere Erscheinung ist nun rein 
social und politisch zu erklären, und so dürfte die Bakunin- 
sche Denkrichtung nicht ganz im Unrecht sein, wenn sie die 
fast leblosen Körpertheile der Wissenschaft eben auch als der 
Ausmerzung anheimfallend betrachtet. Herr Marx steht nicht 
blos in der Oekonomie mit seinem Ricardo, den er formell nur 
verhegelt und materiell nur nach der Seite des Socialismus 
umgebogen hat, auf einem altfränkischen, sondern auch mit sei 
ner ganzen allgemeinen Bildung auf einem überlebten philoso 
phastrischen Standpunkt, der zwar der gewöhnlichen Schulung 
der dreissiger Jahre in Deutschland entsprach, aber von einem 
wirklich entwicklungsfähigen Manne hätte überwunden werden 
müssen. Ihm geht die naturwissenschaftliche Denkweise völlig 
ab und auch sein Gegensatz gegen das Pricsterthum ist nicht 
systematisch und entschieden genug, um den Verdacht auszu- 
schliessen, dass der zähe Judaismus in ihm, trotz seiner eignen 
Spöttereien gegen einzelne jüdische Autoren, nicht noch einige 
Rückständigkeiten conservirt haben sollte. In der antitheolo 
gischen Hinsicht spricht sich Bakunin nicht nur durchgreifen 
der aus, sondern lässt seine Gedanken auch in das Programm 
der Alliance übergehen. Zwar gilt auch die Internationale mit 
Recht als Gegnerin aller Religionen; aber ihr Programm ent 
hält nichts von diesen geistigen Elementen, und das ist ein 
colossaler Fehler, — ein Fehler freilich, der danach aussioht, 
als hätte man mit den Bekennern aller Religionen und Con- 
fessionen vor allen Dingen ein blos materielles Associatioris- 
geschäft einleiten wollen. Eine solche Materialität dürfte sich 
aber an der Association rächen; unter allen Umständen wird 
sie, um sich auf der Höhe der Zeit zu halten, der Durch 
dringung mit entschiedeneren Geistesrichtungen bedürfen. Die 
Bakuninsche Mesalliance mit ihr und die darauf folgende 
Sonderalliance des fanatischen Russen, der mit den Antrieben
	        
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