Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

49 
W0Í8S ja schon im Yoraiis, dass die Ansätze zu den mehr ent 
wickelten Ideen vorhanden gctwesen sein müssen, wo die Yor- 
hedingnngen zu der betreffenden Gedankenthätigkeit, also die 
äussern Anregungen und die innern Fähigkeiten vorhanden 
waren. Er weiss ferner auch, dass sich an Spuren solcher Art 
noch weit mehr feststellen lassen würde, wenn der Kreis der 
erhaltenen Literatur umfangreicher wäre. 
Aus dem eben gekennzeichneten Sachverhalt folgt aber 
noch keineswegs, dass irgend eine Art von Ueherlieferung der 
Grund gewesen sein müsse, aus welchem es den Späteren ge 
lungen sei, etwas Aehnliches, aber Yollkommneres hervorzu- 
hringen. Die Reproduction ist im Gegentheil nur selten die 
Sache derjenigen, welche die Fundamente neuer Wissenschaften 
aufführen. Eine grosse Anzahl von Ideen wird von ihnen lieber 
in ganz ursprünglicher Weise durch Nachdenken über die ge 
gebenen Yerhältnisse erzeugt, anstatt wie von Seiten der weniger 
denkfähigen oder ganz passiven und nachahmenden Naturen 
geschieht, bei Andern aufgesucht zu werden. Ausserdem giebt 
es Bestandtheile des Wissens, die in einer entwickelteren 
Periode so gleichgültig und unerheblich erscheinen, dass sie 
unwillkürlich gleichsam aus der Umgebung aufgenommen und 
fast unbewusst angeeignet werden. Derartige Elemente werden 
nun nicht einmal vorzugsweise aus der Literatur stammen, 
sondern dem Leben und Yerkehr angehören. Sieht man nun 
aber von alledem, was sich auf die eben angegebene Weise er 
klärt, gänzlich ab, so muss man für das Uebrige neben der 
Anregung durch Früheres und der liiemit gegebenen Stetigkeit 
auch die Unterbrechung der letzteren durch irgend einen ent 
scheidenden Schritt anerkennen. Hienach hat also das Frühere 
seinen bestimmten und meist nicht geringfügigen Antheil, wäh 
rend die erhebliche Wendung, durch welche die Erscheinung 
Upoche macht, die neue Errungenschaft vertritt. Bei einer 
richtigen Würdigung wird man offenbar keinen Anstand zu 
nehmen haben, den deutlich unterscheidbaren Fortschritt von 
grosser Tragweite, der mit einer wesentlichen Gestaltverände 
rung verbunden ist, als Wirkung eines Yerbal tens anzusehen, 
'Welches zwar durch die Stetigkeit des früheren Gedankcnlaufs 
vorbereitet sein mag, keineswegs aber durch dieselbe eigentlich 
erzeugt worden ist. Nur wenn man diese Unterscheidung im 
Auge behält, wird man den grossen Leistungen gerecht werden. 
Dühring, Gcscliichte der Nationalökonomie. 2. Auflage. 4
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.