Full text : Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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W0Í8S  ja  schon  im  Yoraiis,  dass  die  Ansätze  zu  den  mehr  entwickelten ­
  Ideen  vorhanden  gctwesen  sein  müssen,  wo  die  Yorhedingnngen
  zu  der  betreffenden  Gedankenthätigkeit,  also  die
äussern  Anregungen  und  die  innern  Fähigkeiten  vorhanden
waren.  Er  weiss  ferner  auch,  dass  sich  an  Spuren  solcher  Art
noch  weit  mehr  feststellen  lassen  würde,  wenn  der  Kreis  der
erhaltenen  Literatur  umfangreicher  wäre.
Aus  dem  eben  gekennzeichneten  Sachverhalt  folgt  aber
noch  keineswegs,  dass  irgend  eine  Art  von  Ueherlieferung  der
Grund  gewesen  sein  müsse,  aus  welchem  es  den  Späteren  gelungen ­
  sei,  etwas  Aehnliches,  aber  Yollkommneres  hervorzuhringen.
  Die  Reproduction  ist  im  Gegentheil  nur  selten  die
Sache  derjenigen,  welche  die  Fundamente  neuer  Wissenschaften
aufführen.  Eine  grosse  Anzahl  von  Ideen  wird  von  ihnen  lieber
in  ganz  ursprünglicher  Weise  durch  Nachdenken  über  die  gegebenen ­
  Yerhältnisse  erzeugt,  anstatt  wie  von  Seiten  der  weniger
denkfähigen  oder  ganz  passiven  und  nachahmenden  Naturen
geschieht,  bei  Andern  aufgesucht  zu  werden.  Ausserdem  giebt
es  Bestandtheile  des  Wissens,  die  in  einer  entwickelteren
Periode  so  gleichgültig  und  unerheblich  erscheinen,  dass  sie
unwillkürlich  gleichsam  aus  der  Umgebung  aufgenommen  und
fast  unbewusst  angeeignet  werden.  Derartige  Elemente  werden
nun  nicht  einmal  vorzugsweise  aus  der  Literatur  stammen,
sondern  dem  Leben  und  Yerkehr  angehören.  Sieht  man  nun
aber  von  alledem,  was  sich  auf  die  eben  angegebene  Weise  erklärt, ­
  gänzlich  ab,  so  muss  man  für  das  Uebrige  neben  der
Anregung  durch  Früheres  und  der  liiemit  gegebenen  Stetigkeit
auch  die  Unterbrechung  der  letzteren  durch  irgend  einen  entscheidenden ­
  Schritt  anerkennen.  Hienach  hat  also  das  Frühere
seinen  bestimmten  und  meist  nicht  geringfügigen  Antheil,  während ­
  die  erhebliche  Wendung,  durch  welche  die  Erscheinung
Upoche  macht,  die  neue  Errungenschaft  vertritt.  Bei  einer
richtigen  Würdigung  wird  man  offenbar  keinen  Anstand  zu
nehmen  haben,  den  deutlich  unterscheidbaren  Fortschritt  von
grosser  Tragweite,  der  mit  einer  wesentlichen  Gestaltveränderung ­
  verbunden  ist,  als  Wirkung  eines  Yerbal  tens  anzusehen,
'Welches  zwar  durch  die  Stetigkeit  des  früheren  Gedankcnlaufs
vorbereitet  sein  mag,  keineswegs  aber  durch  dieselbe  eigentlich
erzeugt  worden  ist.  Nur  wenn  man  diese  Unterscheidung  im
Auge  behält,  wird  man  den  grossen  Leistungen  gerecht  werden.
Dühring,  Gcscliichte  der  Nationalökonomie.  2.  Auflage.  4
            
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