wo der Strudel deö heutigen Tages feine Besinnung für
den morgenden zuläßt, kann so wenig Fuß fassen, daß
Jedermann alle seine Maßregeln als provisorisch betrachtet
und sich hütet, durch stabile Einrichtungen sich künftige
Hindernisse in den Weg zu legen. Man traut sich kaum,
ein massives Haus zu bauen, einen dauerhaften Rock anzuschaffen,
weil man nicht weiß, wie lange irgend ein
gegenwärtiges Bedürfniß uns ankleben wird. Geselligkeit,
Rangordnung, Geschmack, Mode, Kunst, Genuß, Tageseintheilung,
Wohnort, — alles wechselt beim geringsten
Anstoß, wie die Figuren des Kaleidoskops; nichts vermag
sich in dem ewigen Auflösungsprozesse zu einer haltbaren
Form zu konsolidiren. — Kann es denn mit der Einsicht
eines Gesetzgebers verträglich sein, auf diesem Triebsand
eine Verfasfllng aufbauen zu wollen?
Um die Wahrheit dessen zu beweisen, was wir über
die Eitelkeit der Bestrebungen nach einem Konservatismus
auf historischer Grundlage gesagt haben, blicken wir auf
das Wirken des bisher in dieser Richtung Versuchten hin.
Unsere Provinzial-Landtage stub auf dem Grundbesitz und
der Wahl nach streng abgeschiedenen Ständen basirt. Mit
der Festhaltung dieser Einrichtungen glaubre man eine historische
Basis, mithin einen unbeweglichen Konservatismus
gewonnen zu haben. Und was hat sich herausgestellt?
Beschlüsse mit voller Stimmeneinheit über große Lebensfragen
der Verfassungsreformen, — Majoritäten im Sinne
der Fortbewegung, wie sie nicht in der Geschichte eines
Kongresses, eines Konvents oder des Marsfeldes, mit so