39
entschiedenem Uebergewicht, vorgekommen sind! Sie machen
keine blinden Angriffe, streben nach keinen gewaltsamen
Umwälzungen; ihre Anträge sind mäßig, loyal, sogar in
unterthänige Sprache eingekleidet; aber sie haben gar nichts
von einem konservativen Charakter; sie wollen keineswegs
das Bestehende als solches festhalten, sondern zum Bessern,
wo es sich darbietet, greifen; sie prüfen mit Unbefangenheit,
und entschließen sich mit muthigem Vertrauen auf
ihren Beruf, den Vorschriften der Verstandeseinsicht zu folgen.
Und es handelt sich nicht um die Heftigkeit oder
Geschwindigkeit ihres Bewegungstriebs, sondern um das
Faktum, daß sie nicht stehen bleiben wollen, — dies entscheidet
für ihren völlig antikonservativen Charakter. Es
kann sich nicht einmal gegen die Bewegungstendenz auf den
Landtagen eine kleine hemmende Fraktion bilden, welche
den Namen eines konservativen Haltpunktes verdiente. Wenn
einige Wenige sich von einem Antrag um eine zeitgemäße
Reform ausschließen, womit beschönigen sie diesen Nichtbeitritt?
Sie haben sich noch nicht von dem Segen des
Vorgeschlagenen überzeugen können; sie halten es für unrathsam,
das gewisse Gute für ungewisses Bessere aufs Spiel
zu setzen; sie wollen lieber das Bessere von einer weisen
Regierung, welche des Guten so viel gab, erwarten; sie
wollen nicht den Entschließungen des Monarchen vorgreifen,
um nicht in die Gefahr zu laufen, seinen Wünschen entgegen
zu handeln. Dieses alles sind persönliche Entschuldigungen,
keine prinzipielle konservative Opposition. Es
haben sich freilich nicht die Landtage aller Provinzen so