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Wirkung der Censur liegt zu klar am Tage, als daß sie
voir einem unbefangenen Auge zu verkennen wäre; sie ist
„eine That, die sich grimmig selbst gescholten," und selbstwillig,
wie Menschen häufig sind, müssen sie dies doch einsehen.
Die Censur erregt von vorne herein Mißtrauen gegen die
Güte einer Sache, die sich nicht auf den offenen Kampfplatz
der freien Erörterung hinauswagen will, um sich den Sieg
der vernünftigen Ueberzeugung zu erstreiten. Die Censur
verlockt zum Angriffe gegen die Regierung, denn sie verleiht
dem Angreifenden einen Schein des Muthes und giebt der
Opposition eine sichere Wirksamkeit, und zwar auf folgende
Weise, die man vielleicht noch nicht bedacht hat: wenn der
Angriff nämlich schwach ist, so glaubt man, er sei durch
den Censor geschwächt worden; wenn er scharf imb treffend
erscheint, so glaubt man, er wäre noch sehr viel tiefer unb
schärfer eingedrungen, wenn der Censor ihn nicht abgestumpft
; und wenn die Opposition gar nichts vorzubringen
weiß, so sieht man darin nur das Gegentheil, — nur eine
verschärfte Unterdrückung, aus Furcht der Regierung vor
allem dem, was sich vorbringen ließe! Und noch außerdem
übernimmt die Censur ein ästhetisch-kritisches Redaktionsamt,
damit die Opposition sich nichts durch unmotivirte
Allfstelluilgen oder unanständige Aeußeruilgen vergebe, sondern
stets gehaltvoll und gehalten vor den Airgen des
Publikums erscheine! Dagegen macht die Censur jeden unabhängigen
Ehrenmann abgeneigt, eine mit der Regierungsmeinung
übereinstimmende Ansicht öffentlich zu verfechteir,
weil er das Unedle eines Kampfes wider gefesselte Gegner