Full text : John Prince-Smith über den politischen Fortschritt Preußens

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Wirkung  der  Censur  liegt  zu  klar  am  Tage,  als  daß  sie
voir  einem  unbefangenen  Auge  zu  verkennen  wäre;  sie  ist
„eine  That,  die  sich  grimmig  selbst  gescholten,"  und  selbstwillig, ­
  wie  Menschen  häufig  sind,  müssen  sie  dies  doch  einsehen.
Die  Censur  erregt  von  vorne  herein  Mißtrauen  gegen  die
Güte  einer  Sache,  die  sich  nicht  auf  den  offenen  Kampfplatz
der  freien  Erörterung  hinauswagen  will,  um  sich  den  Sieg
der  vernünftigen  Ueberzeugung  zu  erstreiten.  Die  Censur
verlockt  zum  Angriffe  gegen  die  Regierung,  denn  sie  verleiht
dem  Angreifenden  einen  Schein  des  Muthes  und  giebt  der
Opposition  eine  sichere  Wirksamkeit,  und  zwar  auf  folgende
Weise,  die  man  vielleicht  noch  nicht  bedacht  hat:  wenn  der
Angriff  nämlich  schwach  ist,  so  glaubt  man,  er  sei  durch
den  Censor  geschwächt  worden;  wenn  er  scharf  imb  treffend
erscheint,  so  glaubt  man,  er  wäre  noch  sehr  viel  tiefer  unb
schärfer  eingedrungen,  wenn  der  Censor  ihn  nicht  abgestumpft ­
  ;  und  wenn  die  Opposition  gar  nichts  vorzubringen
weiß,  so  sieht  man  darin  nur  das  Gegentheil,  —  nur  eine
verschärfte  Unterdrückung,  aus  Furcht  der  Regierung  vor
allem  dem,  was  sich  vorbringen  ließe!  Und  noch  außerdem ­
  übernimmt  die  Censur  ein  ästhetisch-kritisches  Redaktionsamt, ­
  damit  die  Opposition  sich  nichts  durch  unmotivirte
Allfstelluilgen  oder  unanständige  Aeußeruilgen  vergebe,  sondern ­
  stets  gehaltvoll  und  gehalten  vor  den  Airgen  des
Publikums  erscheine!  Dagegen  macht  die  Censur  jeden  unabhängigen
  Ehrenmann  abgeneigt,  eine  mit  der  Regierungsmeinung
  übereinstimmende  Ansicht  öffentlich  zu  verfechteir,
weil  er  das  Unedle  eines  Kampfes  wider  gefesselte  Gegner
            
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