Eine volksthümliche Regierung ist auch nicht immer die
vernünftigste und humanste; denn sie ist nur so vernünftig
und human, wie die große Masse des Volks, während
die gebildete Minderzahl, woraus eine Bureaukratie besteht,
jener an Vernunft und Humanität viel voraus sein kann. —
Warum denn eine volksthümliche Regierung wünschen? —
Weil es nicht so sehr darauf ankommt, daß ein Volk vernünftig
und human regiert, als daß es vernünftig und
human gemacht werde. Dazu trägt die Selbstregiernng am
meisten bei; denn der Mensch wird nur durch Erfahrung
gebessert, und zwar durch die Lehren, die er aus selbstbegangenen
Fehlern zieht. Nichts vermag ein Volk von
der Unvernunft und Inhumanität so sehr zu heilen, als
wenn diese Fehler sich selbst an ihm strafen. Es ist nicht
wünschenswertst, daß ein Volk besser regiert werde, als wie
es sich selbst zu regieren weiß; denn wenn es unter der
Selbstregierung es schlecht hat, so wird es dadurch klüger
werden; und des Menschen nächste Bestimmung ist: Vorschreiten
in der Aufklärung, nicht „es guthaben"; cs ist
gut, daß es sich etwas quäle, wenn dies das Vorschreiten
befördert. — Aber ist es denn eine Frage für unsere Wahl,
ob wir vorschreiten oder stehen bleiben wollen? Nein; eben
so wenig als es für uns eine Frage ist, ob wir altern oder
ewig jung bleiben wollen; und wenn auch der Knabe durch
das Mündigwerden keinen Segen sich versprechen, und als
Mann weniger gut zu fahren fürchten sollte, so entginge
er nicht dadurch der Erfüllung seines Schicksals, daß er
die Schuljacke abzulegen sich weigerte. Wir könnten sagen,