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Dagegen führten die Schmiede eine seßhafte Lebensweise und
bedienten bloß ihre Nachbarn. In einer Hauswirtschaftsaufzeich
nung von 1661 lesen wir, daß sich der Schmied gegen Überlassung
eines Stückes Land verpflichtet hat, für das Kloster zu arbeiten.*)
In den meisten Fällen trieben die Schmiede zugleich mit ihrem
Handwerk auch Landwirtschaft. „Der Hof von Iwaschko dem
Schmied sät drei Körbe und mäht 15 Haufen Heu.“ **) Zim
merleute werden in den Grundbüchern seltener erwähnt. Von
den anderen Handwerkern kann man in den Dörfern Töpfer,
Radmacher, Schuhmacher, Löffelmacher, Kistenmacher, Bött
cher treffen. „Die Handwerker kamen häufig mit ihren Werk
zeugen zum Besteller und erhielten von ihm während der ganzen
Arbeitszeit Speise und Kleider.“ ***)
Das Gewerbe entwickelte sich schon in der unabhängigen Ge
meinde; dennoch erhält das „Handwerk im Mittelalter den Cha
rakter eines Gutsgewerbes, konzentriert sich im Herrenhofe . . .
Dieses Guts g e w e r b e wird durch das Gewerbe der ungeteilten
Bauernhöfe unterstützt“. . . (Sokolowsky, ebenda, S. 11—12.)
Das gleiche Gemeinwesen mit Handwerkern am Herrenhofe ent
wickelte sich in Rußland, Deutschland, England, Frankreich usw.
„In der einfachsten Form bebaut die Gemeinde das Land ge
meinschaftlich und verteilt seine Produkte unter ihre Glieder,
während jede Familie Spinnen, Weben usw. als häusliches Neben
gewerbe treibt. Neben dieser gleichartig beschäftigten Masse
finden wir den „Haupteinwohner“, Richter, Polizei und Steuer
einnehmer in einer Person; den Buchhalter, der die Rechnung
über den Ackerbau führt und alles darauf Bezügliche katastriert
und registriert; einen dritten Beamten, der Verbrecher verfolgt
und fremde Reisende beschützt und von einem Dorf zum andern
geleitet; den Grenzmann, der die Grenzen der Gemeinde gegen
•) Bjeljaew, ebenda, S. 158.
**) Grundbuch I, 286, zitiert nach Sokolowsky, Die Wirtschafts
lage der ländlichen Bevölkerung Rußlands, S. 10.
***) M. Kowalewsky, a. a. O., Bd. Ill, S. 11.
Mas slow. Die Theorie d. Volkswirtsch.
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