Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

OESTERREICH  —  Finanzen  (Das  Deficit).  99

zclirungsabgaben,“  dann  überdies  jene  des  Lotto  (!),  endlich  die  der
Post,  letzte  in  Folge  billigerer  Tarifsätze.
Bemerhing  zu  den  Ausgaben.  Da  1855  die  Staatsschuld  fast
77V2,  clic  Armee  aber  sogar  über  21G  Mill,  zusammen  293V2  Mill,
verschlangen,  so  erheischten  diese  beiden  unproductiven  Posten  allein
beinahe  30  Mill,  mehr,  als  alle  Einkünfte  des  Staats  betrugen!  Und
doch  war  1855  kein  Jahr  des  Krieges,  sondern  nur  des  bewaffneten
I'riedens.  (1845  hatte  der  Etat  des  Kriegsministeriums  erst  52V3
Mill.  fl.  betragen.)  In  den  beiden  furchtbaren  Revolutions-  und  Kriegsjahren ­
  1848  und  49  zusammen  kostete  das  Heer  doch  nur  237’272,343
11-;  in  den  beiden  Rüstungsjahren  1854  und  55  dagegen  zusammen
424’737,688  fl.  In  jenen  beiden  Jahren  hatte  man  ein  Deficit  von
167’01  6,450,  in  diesen  beiden  aber  von  279’612,219  fl.  —  Die  Ausgaben ­
  für  die  Armee  waren  ;

1852  1853  1854  1855
Ordentlicher  Etat  nO’843,321  111'967,91G  117’401,192  n4’320  715
Ausserordentl.  -  3463,236  5761,944  91'294,664  101721^117
Allerdings  ward  seitdem  die  schon  vor  dem  Frieden  begonnene
Reduction  weiter  durchgeführt,  doch  ergibt  sich  noch  1856  eine  unverhältnissmässige
  Ausgabe  für  das  Heer.  —  Eine  constante  Steigerung
von  Jahr  zu  Jahr  erfuhr  die  Ausgabe  für  die  Staatsschuld.  Vor
1816  bezahlte  der  Staat  an  Zinsen  seiner  Schuld  5’381,000  fl.  •  1831
ko.stete  die  Schuld  schon  21,  1842  bereits  49  Mill;  1852  62  608  000
1853  66’819,173,  1854  72148,316  und  1855  77107,532  1856
wird  der  Bedarf  jedenfalls  80  Mill,  übersteigen.  —  Was  die  Ausgaben
fíir  den  Hof  betrifft,  so  ist  der  Ertrag  der  sog.  „Familiengüter“
(deren  Werth  man  auf  mehr  als  12  Mill  schätzt)  nicht  eingerechnet.
Irn  Vorjahre  erschien  die  Ausgabe  für  den  Hof  mit  7’55l,579  fl.  _!
Die  Kosten  der  Beamten  vermögen  wir  nicht  anzugeben.  Ungeachtet
d^r  oft  geringen  Besoldungen  sind  dieselben  im  Ganzen  sehr  bedeutend.
(Vor  1848  schätzte  man,  abgesehen  von  Ungarn,  160,000  Civilbeamte,
welche  über  30  Mill,  kosteten,  ungerechnet  so  manche  Nebenbezüge.)
Das  Deficit.  Schon  vor  der  Revolutionszeit  von  1848  (sonach
keineswegs  erst  in  Folge  derselben)  hatte  die  Staatscasse  ununterbrochen ­
  gegen  ein  Deficit  anzukämpfen.  Aber  damals  hüllte  man  die
Resultate  in  strenges  Geheimniss,  was  freilich  nicht  verhindern  konnte,
dass  die  Verlegenheiten  eben  doch  bekannt  wurden.  Seit  1848  ist
ftneh  nicht  ein  .fahr  ohne  colossales  Deficit  geblieben.  Nach  der  möglichst ­
  günstigen  Gruppirung  in  den  officiellen  Darstellungen  betrug  das
Deficit:

1848
49
50
51
52

45410,646  fi.  C.-M.  1853
12E905,805  -  -  54
54’864,862  -  .  55
62'223,630  -
53447,331

56  253,635  fl.  C.-M.
140,712,922  -  -
138’899,297  -  -

Defizitin  8  Jahren  673'988,127  fl.  C.-M.
In  Wirklichkeit  stellte  sich  das  Verhältniss  noch  ungleich  ungünstiger, ­
  zumal  in  Betracht,  dass  unter  den  Einkünftg:  grosse  Summen
‘‘ich  befanden,  welche  nur  durch  Verminderung  des  Stammcapitals  des
            
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