Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

PREUSSEN  —  Sociale,  Gewerbe-  und  Handelsverbältnisse.  123
Schweden  25,000;  zusammen  513,000.  —  Totalverlust  beider  Tlieile
886,000.  (Die  Schätzung  des  franz.  Verlustes  scheint  besonders  zu
hoch.)  —  Die  im  Jahre  1806  (Jenaer  Feldzug)  wirklich  in  Activität
gesetzte  Truppenzahl  mag  120—130,000  M.  betragen  haben.  —  Nach
dem  Tilsiter  Frieden  durfte  Preussen  höchstens  42,000  M.  unterhalten.
Allein  diese  Beschränkung  drängte  dazu,  möglichst  die  ganze  Nation
wehrhaft  zu  machen  (Scharnhorst's  Verdienst).  Daher  die  neue  Kriegsorganisation. ­
  —  Für  den  russischen  Feldzug  musste  Preussen  den
Franzosen  ein  Hülfscorps  von  20,000  M.  stellen  (unter  York).  Als
sich  dieses  aber,  zu  Ende  des  bezeichneten  Jahres,  gegen  Napoleon
erhob,  und  der  König  sich  endlich  zur  Kriegserklärung  genöthigt  sah,
standen  bald  (1813)  über  100,000  M.  im  activen  Heere.  1815  wuchs
die  Zahl  wohl  auf  150,000  an.  —  Seitdem  erfolgte  die  Mobilisirung
des  2.  Aufgebots  nur  einmal,  1850,  als  das  preuss.  Heer  den  Oesterreichern ­
  und  Bayern  in  Kurhessen  gegenüber  stand.  Nach  dem  etwas
seltsamen  Zusammentreifen  bei  Bronnzell  erfolgte  bekanntlich  die  Zurückbeorderung ­
  des  preuss.  Heeres  ohne  Kampf.
Kriegsmarine  (1856):  2  Segel-Fregatten  von  48  und  38  Kan.  ;
1  Schrauben-Corvette  von  28  (im  Bau)  ;  1  Dampf-  und  1  Segel-Corvette,
  jede  von  12;  1  Wachtschiff  von  9;  1  Transportschiff  von  6;
3  Schooner,  zus.  von  6;  1  Bugsir-Dampfer;  36  Kanonen-Schaluppen
Von  je  2,  und  6  Jöllen  von  je  1  Kan.,  —  zusammen  53  Fahrzeuge
mit  237  Geschützen.  (Mannschaft  1100—1200,  nach  dem  Kriegsfusse
  fast  3200  Mann.)

Sociale,  Gewerbs-  und  Handelsverbältnisse.
Allgemeine  Betrachtungen.  Der  alte  Militärstaat  Preussen,  mit
seinen  Begünstigungen  des  Adels  (dessen  Angehörige,  selbst  nach
Friedrichs  II.  Ansicht,  gleichsam  allein  „Ehre  im  Leibe“  haben  sollen;
für  welche  daher  die  Officiersstellen  reservirt  wurden,  wie  ihnen,
nach  den  Kriegen,  die  Geldunterstützungen—  meist  wirkungslos!  —
zuflossen),  —  dieser  Militärstaat,  in  dem  invalide  Soldaten  die  nächsten ­
  Ansprüche  auf  Schullehrerstellen  hatten,  und  worin  nebenbei  die
Bureaucratie  sich  erhob,  —  er  brach  auf  den  ersten  Schlag,  bei  Jena,
vollständig  und  auf  unrühmlichste  Weise  zusammen.  Die  unbedingte
Nothwendigkeit  einer  völligen  Umgestaltung  lag  vor,  wenn  Preussen
nicht  vernichtet  sein  sollte.  Es  ist  das  Verdienst  Stein’s  und  seiner
Genossen,  diese  Nothwendigkeit  erkannt  und  die  Kraft  zur  Durchführung ­
  besessen  zu  haben.  Allerdings  waren  diese  Männer  noch  in
einer  stark  aristokratischen  Anschauungsweise  befangen,  welche  sic
abhielt,  das  unbedingt  freie  Princip  auch  nur  in  den  bürgerlichen  Verhältnissen ­
  mit  allen  Consequenzen  anzuerkennen.  Dennoch  ward  vergleichsweise ­
  Grosses  geleistet.  Die  Erbunterthänigkeit,  ein  Rest  Leibeigenschaft, ­
  ward  aufgehoben;  Jedermann  durfte  Grundstücke  erwerben
(die  Herstellung  dieses  so  natürlichen  Rechtes  erregte  damals  die
grösste  Ueberraschung!),  Theilbarkeit  des  Grundeigenthums  und  Ge-
            
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