Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

'  NORWEGEN  —  Finanzen.

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Confession:  Die  lutlierische  allein  herrschend  (230  Mormonen.)  —
Nationalitäten:  Ausser  den  eigentlichen  Norwegern,  germanischen  Ursprungs, ­
  etwa  12,000  Finnen  (Quenen)  und  4000  Lappen  (hier  Finnen  geheissen). ­
  —  Städte.  In  diesen  lebten  1855  197,721  Menschen.  Christiania ­
  hat  etwa  25,000,  Bergen  28,000,  Drontheim  14,000  Einw.  —
Geschichtliche  Notizen.  Norwegen,  früher  ein  selbständiges  Reich,  war
seit  1387  Dänische  Provinz.  Als  der  König  von  Dänemark  durch
den  Kieler  Friedensvertrag  v.  14,  Jan.  1814  das  Land  an  Schweden
abtrat,  Hessen  sich  die  Norweger  nicht  in  solcher  Weise  verhandeln,
sondern  sie  setzten  sich  zur  AVehr.  Sie  gaben  sich,  17.  Mai  1814,  zu
Eidsvold  eine  freie  Verfassung.  Nach  einigen  Kämpfen  mit  den
schwedischen  Truppen  kam  es  zu  einem  Vertrage  mit  dem  schwedischen ­
  Konprinzen,  dessen  Ifauptergebniss  die  modificirte  \  erfassung
vom  4,  Nov.  1814  ist,  derzufolge  Norwegen  ein  freies,  selbständiges,
nntheilbares  und  unabhängiges  Reich  bildet,  und  zu  Schweden  in
keiner  weitern  specieilen  staatsrechtlichen  Beziehung  steht,  als  dass
es  denselben  König  hat.
FillcliiZCIl*  Das  Budget  für  1851—54  (das  neueste  liegt  uns
nicht  vor)  nahm  einen  Staatsbedarf  an  von  3’200,000  Species.  Davon
sollten  ungefähr  2  Mill,  durch  Zölle,  1  Mill,  durch  sonstige  Einnahmen, ­
  170,000  Spec,  aus  dem  Cassaübersehusse  der  Vorjahre  gedeckt
werden.  —  Der  Hof  kostete  96,000  Species  (64,000  für  den  König,
32,000  für  den  Kronprinzen);  das  Landheer  760,000,  die  Marine
367,000,  die  Schuld  330,000.  —  Im  Jahre  1854  ward  auch  der
Norwegische  Storthing  zur  Bewilligung  von  %  Mill.  Species  für
Kriegsrüstungen  bestimmt.
Die  Geschichte  des  Norwegischen  Finanzwesens  ist  in  mehrfacher
Hinsicht  interessant.  Als  sich  Norwegen  von  Dänemark  trennte,  war
es  vollständig  ausgesogen;  Silbergeld  sah  man  fast  nirgends  mehr,
dagegen  war  das  Land  mit  25  Mill.  Papiergeld  überschwemmt.  Der
Unabhängigkeitskrieg  hatte  überdies  die  Ausgabe  von  weitern  14  Milk
Thlr,  Zetteln  iiothwendig  gemacht,  denn  das  Land  bekam  nirgends
Darlehen.  Zudem  bestimmte  der  Kieler  Tractat,  dass  Norwegen
2'400,000  Th.  in  Silber  (Species)  von  der  Dänischen  Schuld  übernehmen
müsse.  Als  Unterpfand  für  alle  diese  Schuldposten  hatte  man  nur
den  Werth  des  Staats-G  rundeigenthums  mit  dYg  Mill.  Species.  Der
Cours  des  Papiergeldes  sank  immer  tiefer.  —  Im  Jahre  1815  war
die  Noth  aufs  Höchste  gestiegen;  man  musste  auf  ein  energisches
Rettungsmittel  denken;  zu  dessen  Ergründung  der  nach  der  neuen
Verfassung  facti  sch  regierende  Bauernstand  zwar  keine  „geeignete
Finanzbeamte,“  dagegen  viele  practische  und  pratriotische  Männer
besass.  Man  erkannte  die  Nothwendigkeit,  ein  Mittel  zu  schaffen,
um  die  Einlösung  des  Papiergeldes  zu  sichern,  so  oft  solche  Einlösung ­
  begehrt  werde.  Zu  diesem  Behufe  auferlegte  die  arme  Nation
sich  selbst  zunächst  ein  Z  wangsanlehen  von  2  Mill.  Sp.  Sie  bildeten ­
  den  Grundfond  für  eine  neue  Bank,  welche  für  4  Milk  Thlr.
jederzeit  einlösbare  Bankzettel  emittirte.  Die  ganze  Masse  des
alten  Papiergeldes  sollte  eingezogen  werden  und  es  sollten  dabei  10
            
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