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Weltanschanung
Erfahrung unterzwungen sein wird. Aber sind wir soweit?
Keineswegs. Und mit dem Monismus ist auch der Determinis—
mus noch angreifbar, weil unvollständig bewiesen. Gewiß kann
auch kein Beweis für das Dasein der Freiheit geführt werden,
es sei denn durch die Behauptung, die Annahme der Freiheit
selber sei schon eine freiheitliche That. Aber die Lage, wie sie heute
ist, läßt sehr wohl, zwar nicht wissenschaftlich, doch praktisch
Nichtdeterministen zu. Für diese aber wird eine monistische
Betrachtung des Weltbildes mindestens der Ergänzung bedürfen:
praktische Forderungen der Freiheit und einer auf ihre An—
nahme aufgebauten Moral scheinen hier eine von dem einheit—
lichen Prinzip der Erfahrungswelt getrennte Kraft zur Be—
friedigung ihrer Bedürfnisse zu heischen: und von diesem Stand—
punkte aus treten sich Gott und Welt gegenüber.
Aus diesen Zusammenhängen versteht es sich, wenn mit dem
Einsetzen der neuen Zeit der Reizsamkeit die anscheinend so
feste Grundlage ausschließlich monistischen Denkens ins Wanken
geriet: denn die Reizsamkeit erzeugte zunächst eine ästhetische
Kultur, die dem Denken überhaupt feindselig oder wenigstens
abgewandt war, und aus dieser gingen ethische Bedürfnisse
hervor, denen praktische Konsequenzen eines Dualismus weitaus
wichtiger waren als logische Folgerungen in monistischem
Sinne. Und so ist heute selbst eine Anzahl jüngerer Philo—
sophen vorhanden, die dem Dualismus huldigen.
Am frühesten aber hat sich der Katholizismus der ver—
änderten Zeitströmung bedient, um der dualistischen Lehre des
Christentums ein neues philosophisches Stützwerk unterzubauen.
Schon im Jahre 1879 erschien die Encyklika Aétèrpi patris,
welche das Studium des h. Thomas von Aquino von neuem
belebte. Und seitdem hat eine katholisch-thomistisch-dualistische
Philosophie großen Aufschwung genommen; zu den ver—
schiedenen Thomasakademien in romanischen Ländern ist auch
eine auf deutschem Boden, zu Luzern, gekommen, und Werke
wie die Moralphilosophie des Jesuiten Cathrein (in zweiter
Auflage 1893) verbreiten ihre Lehren bis in die letzten Winkel
der katholischen Welt. Was Wunder, wenn sich diese Schule