Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

SOCIALSTATISTIK  —  Uebervölkerung.

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versäumt  ward  und  wird.  Nur  der  Befürchtung,  dass  es  schlimmer ­
  werde,  wollten  wir  entgegen  treten.
Allein  lässt  sich  eine  dauernde  Verbesserung  denken  bei  einer  Vermehrung ­
  der  Menschen  in  mathematischer  Progression?  so  hören
wir  fragen.  Indessen  beweist  die  Erfahrung,  dass  eine  soIche  Vermehrung ­
  geradezu  eine  Illusion  ist.  Sie  existirt  gar  nicht  in  Wiiklichkeit.  Die
allerdings  colossale  Volksvermehrung  nach  den  Kriegen  hat  sich  nicht
nur  nicht  in  gleicher  Weise  fortgesteigert,  sondern  sie  hat  vielmehi
(vergleichsweise)  abgeuonunen.  Es  betrug  die  Vermeinung  nach  Pioconten
  unter  der  Bevölkerung  in

(Jahre)  Frankreich  England
1821—30  6,89  15,89
31—40  5,07  14,27
41-50  4,49  13,00

(Jahre)  Freussen
1831—39  14,49
1840—46  7,93
1847—52  5,10
1852—55  1,57

Diese  Ziffern  beweisen  gewiss  keine  geometrische  Progression,
und  wenn  überhaupt  eine  Progression  sich  ergab,  so  ist  der  Grund
unzweifelhaft  in  dem  Emporblühen  der  Industrie,  er  ist  in  der  ganzen
reichen  Entfaltung  des  Lebens  zu  suchen,  wonach  sich  die  Masse,
namentlich  des  britischen  Volkes,  ungeachtet  seiner  so  sehr  vermehrten ­
  Anzahl,  heute  ungemein  besser  befindet,  als  vor  anderthalb
Jahrhunderten.
Alle  Berechnungen  über  die  Zeit  der  Verdoppelung  der  Einwohnerzahl ­
  in  den  verschiedenen  Ländern  Deutschlands  ,  erwiesen  sich
nach  den  Resultaten  der  beiden  letzten  Bevölkerungsaufnahmen,  zumal
in  sämmtlichen  Theilen  des  Zollvereins,  als  rein  unbrauchbar.  —  Bei  jeder ­
  Aufnahme,  in  der  kurzen  Spanne  Zeit  von  je  3  Jahren,  gestaltete ­
  sich  das  Verhältniss  anders.  Und  insbesondere  sind  da,  wo  sonst
die  allerstärkstc  Zunahme  stattfand,  (z.  B.  in  der  bayer.  Pfalz,  in  Hessen-Darmstadt, ­
  Baden,  Württemberg,  Preussen  etc.)  nicht  nur  im  Allgemeinen ­
  enorme  Verminderungen  eingetreten,  sondern  es  hat  sich
sogar,  statt  jede  r  Zunahme,  vielfach  eine  positive,  mitunter  ungeheuere
Abnahme  der  Volkszahl  ergeben  —  in  der  kleinen  bayer.  Rheinpfalz
allein  eine  Verminderung  von  24,142  Menschen  in  nur  3  Jahren,  —
also  von  beinahe  4  Proc.  (3,94%).  Das  sprechendste  Beispiel  gegen
die  Lehre  von  der  mathematischen  Progression  der  Volksvermehrung
(mit  ihren  vermeintlich  verderblichen  Wirkungen)  bietet  aber  Frankreich ­
  dar.  In  keinem  Lande  unsers  Continentes  sind  Ansässigmachung,
  Verehelichung,  Freizügigkeit,  Gewerbsbetrieb  und  Gütertheilbarkoit
  mehr  erleichtert,  als  hier.  In  natürlicher  Folge  davon,
überdies  in  Betracht  der  climatischen  Verhältnisse  und  des  schon
südländischen  Volkscharakters,  —  müsste  jeder  blose  Theoretiker
annchmen,  dass  gerade  hier  eine  Uebervölkerung  unvermeidlich  eintreten
  werde.  Statt  deren  scheu  wir,  dass  die  Volksvermehrung  in
gar  keinem  andern  der  Grossstaten  so  langsam  voranschreitet,  als
eben  hier  in  Frankreich.  Gehen  wir  in  eine  nähere  Untersuchung
ein,  so  gelangen  wir  mitunter  zu  den  überraschendsten  Thatsachen,
z.  Íb.  zu  dem  Factum,  dass  —  ungeachtet  eines  Steigens  der  Bevöl-
            
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