Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

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SOCIALSTATISTIK  —  Jetzige  Bevölkerungszunahme.
kerung  von  24%  Mill,  vor  der  Revolution,  auf  85%  Millionen  jetzt  —
dennoch  die  Zahl  der  Geburten  kaum  mehr  die  gleiche  Höhe  erreicht
wie  damals.  Bei  solchen  Wahrnehmungen  verschwindet  die  Befürchtung ­
  vor  der  Menschenzunahme  in  geometrischer  Progression.  Indem
wir  bezüglich  des  letzten  Pactums  auf  den  Abschnitt  „Frankreich
S.  37  in  unserm  Buche  verweisen,  wollen  wir  nur  noch  erinnern,
dass  auch  die  Sterblichkeit  in  ähnlicher  Weise  sich  vermindert
hat.  Wären  die  Befürchtungen  wegen  IJehervölkerung  u.  s.  w.  begründet, ­
  so  müssten  wir  nothwendig  die  entgegengesetzte  Erscheinung
erblicken,  die  steigende  Noth  hätte  die  Sterblichkeit  vermehrt.
Aehnllch,  wie  hier,  und  wie  auch  z.  13.  nach  verheerenden  Seuchen ­
  (siehe  ii.  a.  S.  38  unseres  Buches)  die  Natur  selbst  das  richtige ­
  Verhältniss  herzustellen  sucht,  wirkt  in  andern  Fällen  noch  mehr
unmittelbar  der,  der  Natur  entquellende,  vernünftige  Menschengeist ­
  aller  Einzelnen,  (indem  sic  zunächst  nur  für  ihre  persönlichen
Verhältnisse  sorgen,)  besser,  als  eine  buroaucratischc  und  polizeiliche
Weisheit  es  von  oben  herab  vermöchte,  für  das  Beste  der  Gesammtheit
  und  des  Ganzen.  Da,  wo  volle  Geweibefreiheit,  aber  auch  die
volle  Freiheit  in  den  andern  Beziehungen  des  bürgerlichen  Lebens
besteht  (namentlich  Gütertheilbarkeit  etc.),  —  da  finden  wir  die
einzelnen  Handwerke  weniger  übersetzt,  als  wo  ein  unnatürlicher
Zunftzwang  waltet  (s.  unsere  Bemerkungen  bezüglich  Frankreichs,
Preussens,  Bayerns,  Kurhessens,  Mecklenburgs  etc.,  S.  56,  125,  156,
183  und  187.)  Es  liegt  eine  unendliche,  unerschöpfliche  Heilkraft
in  der  Natur,  und  diese  Heilkraft  manifestirt  sich  eigentlich  auch  in
dem  Verhalten  des  vernünftigen  Menschengeistes  aller  Einzelnen  (im
Ganzen)  hinsichtlich  dessen,  was  ihrer  Wohlfahrt  am  zuträglichsten
ist.  Ermangelte  die  Menschheit  dieses  stets  neu  sich  entwickelnden
Heilmittels,  so  wäre  sie  wahrlich  schon  unendlich  oft  vollständig  zu
Grunde  gerichtet  worden  durch  all’  die  Experimente,  welche  bald  die
Laune  des  wahnsinnigsten  Despotismus,  bald  die  Sucht  gouvernementaler
  Omnipotenz,  mit  ihrer  Weisheit  Alles  besser  zu  machen,  in
der  unverständigsten  Art  an  ihr  versuchte.  Glücklich,  dass  die  Quelle
dieser  Heilkraft  sich  als  eine  nie  versiegende  erprobt  hat.
Die  jetziye  Bevölkerungszunahme  in  Mitteleuropa.  Dieselbe  erwies
sich  während  der  letzten  .Jahre,  und  namentlich  in  den  meisten  Ländern ­
  Deutschlands,  als  äusserst  gering;  wie  schon  erwähnt,  ergaben
sich  vielfach  sogar  Rückschläge.  Ist  diese  Erscheinung  blos  das
Ergebniss  der  zahlreichen  Auswanderungen?  Wir  glauben,  diese
Frage  verneinen  zu  sollen.  Der  Menschenverlust,  den  Deutschland
namentlich  im  Jahre  1854  durch  Auswanderung  erlitt,  ist  allerdings
colossal,  und  deutet  auf  das  Bestehen  sehr  fehlerhafter,  sehr  unnatürlicher ­
  Zustände.  Allein  dieser  eine  Moment  erklärt  nicht  Alles.
Die  Menschenvermehrung  war  früher  (z.  B.  in  Rheinpreussen,  in  der
Rheinpfalz,  in  Baden,  Darmstadt  u.  s.  f.)  dermaassen  gross,  dass,
wenn  damals  die  Auswanderungen  in  gleicher  Ausdehnung  wie  während ­
  der  neueren  Zeit  erfolgt  wären,  dennoch  ein  sehr  ansehnliches
Steigen  der  Volkszahl  geblieben  sein  würde.  Wenn  sich  nun,  statt
            
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