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Erster geschichtlicher Teil
eigene Industrie ins Leben zu rufen, um sich in dieser Hinsicht
möglichst unabhängig von der Versorgung aus anderen Staaten zu
machen. Das geschah nicht nur mit den üblichen Mitteln der
Handelspolitik, indem man die Einfuhr durch Zölle erschwerte oder
gar verbot, sondern auch dadurch, daß man Industrien künstlich
ins Leben rief und sie mit staatlichen Mitteln unterstützte. Eine
wichtige Voraussetzung für das Entstehen und das Gedeihen solcher
Industrien war aber das Vorhandensein genügend zahlreicher und
gelernter Arbeitskräfte. Diesem Ziel diente auch die Einwanderungspolitik
*) und ihm dienten auch die Maßnahmen, die einer zu starken
Steigerung der Getreidepreise entgegenwirken sollten. Diese gewerbliche
Entwicklung ist für die Ausweitung des Nahrungsspielraumes
in Deutschland im 18. Jahrhundert bereits von großer Bedeutung
geworden. An dieser Stelle kann das nur mit ganz wenigen
Beispielen belegt werden. In Frage kommen dabei vor allem die
Angaben über das Volkswachstum, die aber nach dem oben darüber
Gesagten, mit großer Vorsicht aufgenommen sein wollen.
Im 18. Jahrhundert sehen wir, im Gegensatz zum 17, ein besonders
starkes Anwachsen der Einwohnerzahlen. In Preußen ist
die Zahl der Einwohner in der folgenden Weise gestiegen 2): Sie
betrug in den Jahren
1748 3,472 Mill. 1780 5,015 Mill.
1764 32,616 ,, 1790 5,642
1770 4.189 1800 6,221 ,,
Für die alten Provinzen Preußens hat Süßmilch von 1700
bis 1750 eine Volkszunahme von 67,78 % errechnet ?®). Nach den
Zusammenstellungen Schmollers betrug die Volksdichte, auf die
Quadratmeile berechnet, in den Jahren %)\
1700
In Kursachsen 2077
Hannover 1367
Schleswig-Holstein 1225
Württemberg 2272
Böhmen 1590
3
1800
2774
1567
1840
3955
2102
Es handelt sich hier um eine ganz gewaltige Zunahme, die besonders
bei der hohen Sterblichkeit dieser Zeit einigermaßen über-1
S. dazu R. Frei, Die Bedeutung d. niederländischen Einwanderer für d,
wirtschaftl. Entwicklung d. Stadt Hanau, Diss., Gießen 1926.
? Behre, a. a. O.,, S. 62 u. Schmoller, Umrisse, S. 575 ff.
%3 Süßmilch, a. a. O., S. 254.
*) Schmoller, Umrisse, 580.