Je
Erster geschichtlicher Teil
bei uns noch bis zur Mitte des 10. Jahrhunderts aufgetreten sind.
Freilich waren in Preußen, vor allem unter Friedrich d. Großen,
für diese Teuerungspolitik auch gewerbepolitische Gesichtspunkte
maßgebend; denn ein Steigen der Getreidepreise hätte die heranwachsende
Industrie durch ihren Einfluß auf die Arbeitslöhne schwer
schädigen können.
Solche Seuchen und Hungersnöte, die im 17. und 18. Jahrhundert
immer wieder auftraten, mußten an der Bevölkerung zehren
und wenn auch die Bevölkerungszahl zweifellos in jener Zeit gestiegen
ist, so konnte das Wachstum doch nicht allzu stark sein,
wenn man diese dauernden Unterbrechungen durch Seuchen und
Hungersnöte in Betracht zieht. In dem schon mehrfach genannten
Buch von Behre*) finden sich Angaben über die Bevölkerungsentwicklung
Preußens in jener Zeit. Allerdings können solche Zahlen
nicht mehr wie dürftige Anhaltspunkte geben. Wir werden später
noch sehen, daß die älteren Volkszählungen sehr unzuverlässig gewesen
sind und daß die starke Zunahme ‚der Bevölkerung, die sich
aus ihnen für jene Zeit ergibt, doch auch z. T. darauf beruht, daß
es gelang, im Laufe der Zeit die Einwohnerzahl statistisch vollkommener
zu erfassen. Aber diese Kritik bezieht sich nur auf das
Maß, keineswegs auf die Tatsache der zunehmenden Volkszahl.
Auch wenn keinerlei Zahlen zur Verfügung stünden, so könnten
wir doch aus dem Gang der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung
auf eine beträchtliche Verdichtung der Bevölkerung in jener
Zeit schließen. Denn es handelt sich doch um eine Periode im 17.
und 18. Jahrhundert, in der, vor allem auch als Folge der zielbewußten
Wirtschaftspolitik der territorialen Gewalten, der Nahrungsspielraum
in Deutschland ein ziemlich großes Wachstum erfahren
hat. In Frage kommen dabei besonders zwei Tatsachen: die innere
Kolonisation und — eng damit verbunden — eine weitgehende
Fürsorge für die Verbesserung in der Landwirtschaft, daneben auch
die ziemlich starke Zunahme von Gewerbe und Handel.
Bei der inneren Kolonisation handelt es.sich um ein
Doppeltes: Einmal darum, den Nahrungsspielraum des Landes durch
große Meliorationen, durch Eindeichungen und Entwässerungen, zu
erweitern. Berühmt ist die Kolonisationstätigkeit des Prinzen von
Anhalt-Dessau in Pommern in den Jahren 1747—54 ®). Im Oderbruch
wurden in jener Zeit 108000 Morgen, in den Warthebrüchen
a. a. O,, S. 408,
?) Vgl. die gleichnamige Diss. von Hesse, 1910,