wieder zum Kleinhändler zu kommen, wenn es borgen muß. Dieser Kamps
zwischen Groß- und Kleinbetrieb spielt sich übrigens oft nicht so offen ab,
als er eben geschildert wurde, weshalb er von vielen noch nicht genügend
beachtet wird. Große Warenhäuser in Hamburg z. B. gewinnen Geschäfte
im ganzen Reiche als Filialen, lassen denselben aber ihre eigne Firma,
trotzdem alle Waren von der Centrale aus besorgt werden und den Filialen
nur eine Provision bleibt. Im Rheinland centralisieren Angehörige einer
Familie mit scheinbar selbständigen Geschäften an verschiedenen Orten ihren
Warenbezug ebenso. Das sind lauter versteckte Anfänge zur Zusammenlegung
mehrerer kleiner Geschäfte in ein großes.
Hier waren diese Erscheinungen und ihr immer häufigeres Vorkommen
so eingehend zu erörtern, weil gerade sie schließlich als eine der speziellen
Hauptursachen der verbesserungsbedürftigen Lage der Handlungsgehülfen
bezeichnet werden müssen.
Der ins Gedränge geratene Kleinhändler mit geringen Mitteln kann
nämlich sein kleines Personal beim besten Willen nicht gut bezahlen, und
wird durch die Macht der Umstände zur Lehrlingszüchterei und zur übermäßigen,
meist mechanischen Ausnutzung seiner Hülsskräfte gedrängt, weshalb
aus solcher Schule gar keine richtig vorgebildeten Gehülfen hervorgehen
können. Die großen und größten Geschäfte aber haben einen oben
noch nicht erwähnten, außerordentlich wichtigen Betriebsvorteil in weitgehender
Arbeitsteilung. Im Warengeschäft bilden sie Specialitäten aus,
z. B. Anslagenarrangeure, Kassierer, Verkäufer, Lageristen. Im Comptoir
wird das Personal vorteilhaft nach englischem Muster in zwei Klassen
getrennt. Die größere Anzahl der Cvmptoiristen sind bloße Schreibkräfte,
welche registrieren, kopieren n. s. w. Daneben sind nur einige wenige
leitende und gut geschulte Kräfte (in England Clercs genannt) für den
Buchhalter-, Korrespondenten- u. s. w. Posten nötig. Das Ganze arbeitet,
ähnlich wie in einer Fabrik mit Direktor, Aufseher und Arbeitern, exakt,,
schnell und relativ billig. Es ist klar, daß auch aus dieser Mehrzahl mehrmechanisch
thätiger Kräfte keine allseitig gebildeten Commis hervorgehenkönnen,
und die körperlich anstrengende Beschäftigung im Kleingeschäft, sowie
die teilweise Entbehrlichkeit großer Kenntnisse für die Spezial- und Schreibposten
im Großbetriebe bewirken es, daß das eifrige Wirken für kaufmännische
Fortbildungsschulen, das man an vielen Orten nur mit der
größten Anerkennung verzeichnen kann, fruchtlos bleibt. Die Lehrlinge und
Gehülfen sind einesteils am Abend zu müde, um sich noch fortbilden zu
lassen oder selbst fortzubilden, und es wird anderenteils manchmal gar nicht
viel mehr von ihnen verlangt, als ein gewandter Schreibdienst. Ans diesen
Gründen fehlt der tüchtige gebildete Nachwuchs, aus diesem Grunde reißen
die kurzen Kündigungsfristen und die Prvbeangagemeuts, sowie das Volontärwesen
ein, aus diesen Gründen kann in größeren Geschäften mit Arbeitsteilung
auch die billigere weibliche Arbeitskraft herangezogen werden, und
deshalb sind die Gehalte vielfach so niedrig, was beim Handlungsgehülfen
noch mißlicher ist. als beim Arbeiter, weil der letztere gesellschaftlich garnicht
zu repräsentieren braucht, während der Handlungsgehülfe in Kleidung,