Object: Die Deutschen im Auslande

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roaven und sind noch die berüchtigten sogenannten „ Parc e rie- 
Berträge" üblich. Diese Parcerie-Verträge sind gewisse un 
bedenklich aussehende Kontrakte großer Plantagenbesitzer mit 
unerfahrenen Kolonisten, durch welche diese in eine Lage ge. 
bracht werden, die derjenigen eines Sklaven ähnelt und aus 
welcher sie nur in den seltensten Fällen sich zu befreien ver- 
mögen. Glücklicher Weise befinden sich unter den Opfern der 
Parcerie-Verträge weit mehr Italiener und Azorianer als 
Deutsche. Außer in Minas Geraes herrschen die Parcerie-Ver- 
träge namentlich in den Provinzen Rio de Janeiro und Sao 
Paulo. Die Gesammtzahl der Deutschen in Minas Geraes 
schützt Karl Bolle, ein ausgezeichneter Kenner der brasilia 
nischen Verhältnisse, aus etwa 3000, von denen viele als Hand 
werker in den Städten leben. 
Die Zahl der Deutschredenden in der Provinz Espirito 
Santo schätzt Bolle auf 5000-8000 Seelen. Sellin sogar 
auf 10.000. Dieselben leben zum Theil als Handwerker und 
Kaufleute in den Städten, zum Theil in Kolonien, wo sie sich 
vorzugsweise mit dem Anbau des Kaffees beschäftigen. Fast 
in allen diesen Kolonien überwiegt übrigens das italienische 
Element das deutsche; jedoch sind mehrere deutsche Schulen und 
Pfarrgemeinden vorhanden. Das Deutschthum von Espirito 
Lauto, dem es an Zuzug von der Heimath mangelt, scheint 
allmählich in das Lusobrasilianerthum aufgehen zu wollen. 
„Von den 15,000 Deutschredenden, die in der Provinz 
Rio de Janeiro existiren sollen", sagt Bolle (Deutsche 
Kolonialzeitung IV. Jahrgang, 2. Heft), „wird ohne Nachzug in 
wenig Jahrzehnten wenig mehr übrig sein als eine dunkle Sage 
und portugiesisch sprechende Träger deutscher Namen." „Selbst 
da", fährt er fort, „wo ursprünglich zahlreiche Deutsche zusam-
	        
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