Die Auf gaben Verkettung.
155
Menge, sondern auch in der gewünschten Güte, der veranschlagten Zeit und den
zu tragenden Kosten erreicht werden. Die sorgfältig ausgewählten, sinnvoll ge
ordneten und zweckmäßig gegliederten Aufgaben müssen nun wieder miteinander
verbunden werden, eine neue Verbindung der vorhandenen Tatbestände gesucht
werden, da die bisherige dem betrieblichen Zweck oder den persönlichen Wünschen
des Betriebsführers nicht entsprach 1 . Wesentliche Richtlinien für die Neu-
Zusammenfassung ist das gemeinsame Ziel des Wirtschaftsbetriebes, die Voll
bringung der gestellten sachlichen oder persönlichen Aufgabe.
Nun ist die Zahl und Verschiedenartigkeit der betrieblichen Erscheinungen an
sich schon sehr groß, und sie wird noch verstärkt durch die Gliederung der Auf
gaben und die Stückelung der einzelnen Arbeiten, durch die Trennung nach förder
lichen und hinderlichen, nach ähnlichen und unähnlichen Vorgängen, wodurch —
was nicht übersehen werden darf — immer an sich natürliche, wenn auch im
Hinblick auf das Betriebsziel nicht zweckmäßige Zusammenhänge zerrissen wer
den, also gewissermaßen Sezierarbeit geleistet wird. Es ist daher unumgänglich
notwendig, einen neuen — künstlichen — Zusammenhang zu schaffen, der zu
gleich fest, aber auch genügend dehnbar ist, um alle diese zwar auf das Betriebsziel
hin ausgewählten, geordneten, zergliederten Erscheinungen, denen jedoch ein
natürlicher Zusammenhang fehlt, zu verbinden und zu leiten. Dabei ist eine Fest
stellung wichtig: die zunehmend unterteilten Arbeitsvorgänge und sonstigen Be
triebsgrundlagen haben zwar zu einer sehr großen Genauigkeit, Feinheit und
Erkenntnismöglichkeit des Arbeitens geführt, andererseits aber auch eine Emp
findlichkeit und Zartheit erzeugt, die oft genug den Zusammenhalt des Ganzen
ernstlich gefährdet.
Wenn eine Mehrzahl von Personen an einer gemeinsamen Aufgabe derart be
teiligt ist, daß das Ergebnis von den jeweiligen, genau festgelegten, mehr oder
minder bedeutenden Arbeitshandlungen abhängt, so ist die Menge, Befristung und
Güte des Enderfolgs von den Leistungen des schlechtesten oder langsamsten
Arbeiters abhängig. Das bedeutet, daß bei unterteilter Leistung für die Zweck
erreichung die jeweils zurückgebliebensten Leistungsschichten allein und in stärk
ster Weise maßgebend sind. Daraus folgt einmal, daß die Gleichmäßigkeit der
Leistung wichtiger ist als die Heranziehung einzelner, besonders befähigter Arbeiter
oder die Bereitstellung außergewöhnlicher Arbeitsmittel und Geräte (was eine
Stütze bei der Organisation des Heeres findet, wo auch für das Aktionsprogramm
und die Taktik die zurückgebliebensten Glieder bestimmend sind, weil sonst die
Geschlossenheit verloren gehen würde). Zum andern aber ergibt sich daraus die
Notwendigkeit der genauesten gegenseitigen Einstellung bei der Zusammenarbeit,
und zwar nicht nur in bezug auf Menge und Güte, sondern vor allem in bezug auf
die Zeit. Es bestehen jedoch zwischen der in einem Betrieb angewandten Technik
und der Betriebsgröße feste Beziehungen, und gerade diese Beziehungen werden
oft nicht genügend beachtet, zumal sie der genauen Vorausrechnung erhebliche
Schwierigkeiten bereiten, da sie nur mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung zu
lösen sind.
Ist beispielsweise die Herstellung eines Schuhes in 30 Teilarbeiten zerlegt, so müssen min
destens 30 Arbeiter beschäftigt sein unter der Voraussetzung, daß jeder Teil die gleiche Ar
beitszeit erfordert und jeder Arbeiter die gleiche Leistungsfähigkeit besitzt. Dies ist jedoch in
der Praxis fast nie zu erreichen; vielmehr werden immer verschiedene Arbeitszeiten (durch
sachliche oder persönliche Ursachen) erforderlich sein. Bei einer Annahme, daß 10 Teilarbeiten
je 3 Std., 10 weitere je 2 Std. und die letzten je 1 Std. dauern, müßten mindestens 60 Arbeiter
vorhanden sein, um jede Gruppe ununterbrochen mit Arbeit zu versorgen, da für die länger
dauernden Arbeiten entsprechend mehr Arbeiter angesetzt werden müssen.
1 Bogdanow: Bd. I, S. 8.