Object: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

1. Titel: VBerpfligtung zur Leiftung. Vorbemerkungen zu den SS 275—282. 143 
5) Bet Erfüllung von (gefeblihen oder Kontraktlichen) Berbindlichkeiten Hat nach 
8 278 der EShuldrer ein Verjhulden feines gefegliden Vertreter3 und der 
Rerfonen, deren er fiG zur Erfüllung feiner Berbindlichleiten bedient, in 
gleigem Umfange zu vertreten, mie eigene3 Verfchulden. Wegen der Zweifel, 
die fih an die Auslegung diejer Beitimmung Mühfen, vgl. die Bem. zu S 278. 
Den Grund diejer Beftimmung hat Ennecceru8 II S 478 folgendermaßen Mars 
geftellt: „Die Berpflidhtung zur Sorgfalt it nicht eine beföndere, neben ‚der 
LetjtungsSbflicht hergehende Pilicht zu perfüönlich forgfältigem Verhalten, fie Yt 
vielmehr eine Outalifiklation der Leiftungspflidht jelbit. Nidt zwei Forderungen 
beitehen, eine auf Leiltung, eine auf berfünlidhe Sorgfalt, fondern eine einzige 
auf forgfältige Leiftung. — Schuldet der Schuldner num eine eigene Leijtung, 
jo fchuldet er eine eigene forgfältige Leitung. Schuldet er die Leiftung 
eine8 Dritten, jojhuldet er defjjen jorgfältige Leiftung. — Wer 
aber, mie daS gewöhnlich zutrifft, eine Leiftung fAuldet, die durch eine von 
bornherein nicht beftimmte Perjon erfolgen foll, der haftet fiir forgfältige Yeiftung 
defjen, dur den er die Leiftung bewirkt.“ (Wegen der Widerlegung der 
unzutreffenden Einwendungen WindichHeidZ gegen dieje Deduktion [Windf{hHeid, 
Rand, IL S 401 Anm. 5] val. Ennecceru8 a. a. DO. Anm. 3.) Val. des Näheren 
S 278 Bem. 26. 
Bei Gingehung von Berbindlichteiten find ausjdHließlid die Orundfäge 
über Stellvertretung (SS 164, 166) maßgebend. 
Die Haftung der juriftijghen Zerfon für Berjhulden ihrer verfaffungsmäßig 
berufenen Vertreter (SS 31, 89) ift nach ridHtiger Auffaffung nit Haftıng für 
jrembdeS, fondern für eigenes Berichulden (Organthevrie)l. Val. die Bem. zu 
88 31 und 89. 
Eine weitergehende Haftung für jremdes Berjhulden Hat das BGB. nach dem 
VBorgange der fog. actio de recepto für Gafjftwirte in UAnfehung der 
eingebradten Sadjen aufrecht erhalten (88 701—708). 
Unberührt bleibt ferner die firengere Vertretungsbiliht nad Neich3- 
zivilredht: 
«) jeiten8 des Fractführer3, HB. 8 431, 
ß) jeiten8 des Meeder3 (jedoch mit Beihränkung der Haftıng auf Schiff 
und Fracht), HGB. 8 486 Biff. 3, 
der Eigentümer eines Fiuß{GHiffe8 (Haftung für das Berfehulden der 
Schiffsbefagung in Ausfügrung ihrer Dienftverrihtungen mit Schiff und 
Fracht), Binnenfhiffahrtagefeß vom 15, Yuli 1895 SS 3, 59, 
3) des Reich3HaftpflihtgefegeS vom 7. Juni 1871, 
€) des Automobilgefeges vonı 3. Mat 1909, 
VI. Beiwweislaft.*) Die UnmöglidgHkeit einer Leiftung wird in der Regel eine den 
Anjpruch des Kläger8 befeitigende Au8nahHmetatjache bilden, fie kann auch eine 
den befonderen Anfpruch des Aläger8 z. B. auf SchadenZerjaßg begründende (zum Minimal- 
latbeftand gehörende, vgl. Kreß, Zur Lehre von der Bemweislaft, Würzburg 1891) KMlagetatiache 
ein. CEritere8 ijt der Fall, menn Schuldner fiH auf die hefreiende Wirkung der nadhträg- 
lien Unmöglichkeit beruft (8 275). SelbjtverftändligH hat Schuldner in diefem Falle 
die Ünmöglichteit zu behaupten (Einwendung, nicht Einrede im engeren Sinne) und zu 
bemweijen. Da ihn aber nad S 275 die nadträglide Unmöglichteit nur befreit, wenn fie die 
Folge eines Umftandes Hi, den er nicht zu vertreten Hat, fo dürfte fi fhon au 8 275 
*rgeben, daß er im Streitfale aud) diejen Umftand d. h. den casıs zu beweifen Hat, einerlei, 
0b derjelbe pofitiven oder negativen Charakter hat. Infofern gibt S 282 nur die auZdrücliche 
DBeitätiqung eine8 allgemeinen Beweislaitprinzib8. 
a) 
*) Siterhtn rt: Sr. Leonhard, Beweislalt S. 356 f.; Kreß, Zur Lehre von der 
Beweisfaft, 1891.
	        
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